Einreisen nach Kanada: Kurzurlaub oder Daueraufenthalt?

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Kanada ist für viele Menschen ein magischer Ort: unendliche Weite, spärliche Besiedlung, unberührte Natur und eine liberale und offene, demokratische Gesellschaft sowie Politik. Ein Traum für Urlauber – und für manche sogar traumhaft genug zum Auswandern. Um erstmalig nach Kanada zu reisen, braucht es unter Umständen nicht einmal ein Visum, für Auswanderer jedoch mindestens ein solches und einiges mehr. Wie man an die entsprechenden Unterlagen kommt, erklärt dieser Artikel.

Wie beantrage ich ein Visum für Kanada?

Seit 2016 gelten für die Einreise von Deutschland nach Kanada vereinfachte Regeln. Urlauber, die in einen Flug nach Kanada einchecken wollen, brauchen seitdem nicht unbedingt ein Visum. Vielmehr wird eine elektronische Einreisegenehmigung, die sogenannte eTA (electronic travel authorization) verlangt. Die erforderliche eTA für Kanada beantragen Sie hier, der Ausfüllprozess gestaltet sich vergleichsweise einfach. Das Online-Formular ist in wenigen Minuten ausgefüllt. Die Gebühr für die Reisegenehmigung kann darüber hinaus ebenfalls direkt online bezahlt werden.

Sie beläuft sich aktuell auf 19.95 Euro pro Person. Die eTA wird bei unproblematischem Verlauf normalerweise innerhalb von drei Tagen genehmigt. Mit einem Eilantrag kann die Genehmigung sogar innerhalb weniger Minuten erfolgen. Damit Touristen in einen Flug nach Kanada überhaupt einchecken können, müssen sie die eTA unbedingt ausgefüllt und genehmigt bekommen haben. Ist die Einreisegenehmigung nicht vorhanden, kann den Reisenden der Einstieg ins Flugzeug verwehrt werden. Die Einreisegenehmigung im elektronischen Format ist äußerst praktisch.

Sie wird direkt mit der Reisepassnummer verknüpft und muss nicht zusätzlich ausgedruckt werden. Sobald sie genehmigt wurde, wird dies den Grenzbehörden und der Fluggesellschaft automatisch mitgeteilt. Reisende können wie gewohnt beim Check-In ihren Reisepass vorzeigen und gelten dann gegebenenfalls als einreiseberechtigt. Mit der eTA dürfen Reisende für fünf Jahre so oft nach Kanada einreisen, wie sie wollen.

Die eTA berechtigt zu einem Aufenthalt von höchstens sechs Monaten am Stück. Das entspricht auch anderen Aufenthaltsbedingungen, wie sie beispielsweise in den USA üblich sind. Wer einen längeren Aufenthalt plant, sollte vor Abflug aber unbedingt die Gültigkeit seines Reisepasses überprüfen. Wie in anderen Ländern auch, gilt bei der Einreise nach Kanada: Der Reisepass muss am Tag der Rückreise mindestens noch einen Tag gültig sein.

Wann brauche ich ein Visum für Kanada?

Unter verschiedenen Bedingungen kann es sein, dass Reisende statt der einfachen eTA ein richtiges Visum Kanada beantragen müssen. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn sich Touristen länger als sechs Monate am Stück in dem Land aufhalten möchten. Für Menschen, die sich in Kanada dauerhaft niederlassen wollen, genügt die eTA ebenfalls nicht. Wer in Kanada einen Arbeitgeber gefunden hat oder ein Unternehmen gründen möchte, muss ebenfalls ein Visum beantragen. Zudem gibt es einige Ländern, bei denen die Ausstellung einer eTA für Kanada leider nicht möglich ist. Das betrifft beispielsweise Länder wie Afghanistan, den Kosovo oder Pakistan.

Übrigens: Die eTA wird ausdrücklich nur verlangt, wenn Kanada per Luftweg betreten wird. Wer mit dem Schiff oder dem Auto nach Kanada reist – beispielsweise von den USA aus, braucht keine eTA. Wer allerdings aus einem Land kommt, dass nicht für die eTA berechtigt – den sogenannten Visa-required-Ländern – braucht das Visum in jedem Fall, egal wie er einreisen will. Darüber hinaus wird von jedem Einreisenden ein volles Visum verlangt, der eine der sogenannten Hintergrundfragen bei der Einreise mit „Ja“ beantwortet hat.

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Bei diesen Fragen handelt es sich um eine Überprüfung, ob der Einreisende gegebenenfalls ein Risiko für die nationale Sicherheit darstellt. Kommt kein eTA, sondern ein Visum infrage, muss als nächstes entschieden werden, welcher Visumstyp gebraucht wird. In den meisten Fällen wird es sich bei der Einreise um ein sogenanntes TRV, ein Temporary Resident Visa, also ein zeitlich beschränktes Visum, handeln.

Wer tatsächlich nach Kanada dauerhaft auswandern möchte und die dafür nötigen Bedingungen erfüllt, der braucht ein Permanent Resident Visa, eine Daueraufenthaltsvisum. Zeitlich befristete Visa werden beispielsweise für Auslandsaufenthalte von über einem halben Jahr von Schülern oder Studenten ausgegeben. Aber auch für den Besuch von Verwandtschaft können solche Visa vergeben werden, die im Einzelfall zu einem Aufenthalt von bis zu zwei Jahren berechtigen.

Daueraufenthalt? Die unbefristete Aufenthaltserlaubnis

Die unbefristete Aufenthaltserlaubnis wird in Kanada nur unter relativ strikten Bedingungen herausgegeben. Meist müssen die Bewerber nachweisen, dass sie in Kanada einer qualifizierten Tätigkeit nachgehen wollen. Zudem müssen sie die englische oder die französische Sprache beherrschen. Verschiedene nationale Programme zur Anwerbung von Arbeitskräften, die die kanadische Regierung verwaltet, können Ausreisewilligen dabei helfen, ein dauerhaftes Visum für Kanada zu erhalten.

Ob und inwiefern man dafür infrage kommt, kann man auf der offiziellen Seite nachlesen. Es ist nicht ratsam, diese Informationen von einer anderen Quelle außer den offiziellen Stellen einzuholen, weil insbesondere die Bedingungen für die permanente Einreise ständigen Änderungen unterliegen. Zudem sind die Regelungen oft unübersichtlich und kompliziert. Einreisewillige sollten also mit womöglich veralteten Informationen gar nicht erst ihre Zeit verschwenden, sondern ausschließlich auf die offiziellen Angaben vertrauen.

Wer mit dem Gedanken spielt, nach Kanada auszuwandern, kann sich auf ein zumeist mehrjähriges Verfahren gefasst machen. Aber wer weiß: Vielleicht wartet am Ende dieses Verfahrens ja der persönliche Lebenstraum?