Leben im Ausland: Ist es möglich, irgendwann akzentfrei zu sprechen?

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Wir alle kennen den faszinierenden Eindruck, den es macht, wenn jemand zwei oder mehr Sprachen akzentfrei sprechen kann. Für Menschen, die die andere Sprache nicht beherrschen, klingt es geradezu, als würde die Person im Moment ihres Sprechens von einem anderen Stern stammen. Wie ist das überhaupt möglich, zwei so komplexe Zeichensysteme so perfekt zu beherrschen? Dieser Text klärt auf.

Voraussetzungen für akzentfreies Sprechen: Ein gutes Gehör

Oft ist beim Sprachenlernen von verschiedenen Lerntypen die Rede: Die einen lernen beispielsweise besser, wenn sie Wörter lesen, weil sie sich visuelle Stimuli besser einprägen können. Andere lernen besser, wenn sie die Sprache aktiv und kommunikativ einsetzen. Sie merken sich dann Redewendungen und Sprachmuster und fangen nach einer Weile an, sich selbst zu korrigieren, wenn sie merken, dass die eigene Formulierung von dem abweicht, was man zu hören gewohnt war. Für akzentfreies Sprechen ist der auditive Lerntyp am vorteilhaftesten.

Wer auditiv lernt, der prägt sich weniger die Bedeutung oder das Schriftbild, sondern vor allem den Klang von Wörtern gut ein. Auditive Lerntypen haben es in der Schule oft etwas schwerer, weil sie im schriftlichen Test viele Fehler machen, obwohl sie die Wörter gut aussprechen könnten. Sprachlern-Apps wie Babbel können Menschen, die auditiv lernen, beim Erlernen einer Sprache sehr gut unterstützen, da hier die Tonwiedergabe eine größere Rolle spielt.

Nach Erkenntnissen über die zweisprachige Erziehung funktioniert das bilinguale Aufwachsen über auditives Lernen. Das Kind ahmt die Muttersprache der Eltern zunächst nur nach. Es lernt also, sich die Töne einzuprägen und sie mit dem Mund und der Zunge nachzuformen. Die genaue Bedeutung der Wörter und die Abgrenzung zu anderen Wörtern erlernen Kinder meist erst später.

Deswegen ist es wichtig, ihnen ab einem gewissen Punkt Fragen zu stellen. Kinderbücher mit Übungen zum Sprachenlernen bauen darauf auf und regen das Kind dazu an, zu bestimmten Bildern die Bezeichnung zuzuordnen.

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Akzentfreies Sprechen: So früh wie möglich anfangen

In der Pädagogik ist man sich relativ einig, dass die starke Aufnahmefähigkeit für eine neue Sprache ab der Pubertät abnimmt. Bis zum Teenageralter ist es für Kinder also theoretisch recht leicht, eine Fremdsprache zu erlernen. Die Wahrscheinlichkeit, sie später einmal akzentfrei zu sprechen, ist umso höher, je zeitiger sie damit anfangen. Das kindlich-auditive Lernen, das im vorherigen Absatz kurz erklärt wurde, fördert die natürliche Anpassung der Sprache. Das heißt aber nicht, dass das akzentfreie Beherrschen einer Sprache später nicht mehr möglich ist.

Es erfordert nur wahrscheinlich mehr Zeit und Einsatz. Wer seinen Akzent gezielt loswerden möchte, sollte vor allem auf auditive Methoden zurückgreifen und – wie ein Kleinkind – Wörter zunächst nur bestmöglich nachahmen. Das Erlernen der Bedeutung stellt sich später von selbst sein.