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© by Jens Sieckmann

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Nach fünfjährigem Leben im Rheinland erlangt man genug Abstand, um neben den persönlichen auch ein paar objektive Eindrücke - insbesondere in bezug auf den Menschenschlag - wiederzugeben. Na gut, zwei Tage Aufenthalt sind nicht all zu viel und das Ruhrgebiet liegt auch nicht in Myanmar.

Sauerländische Sturheit oder Dickköpfigkeit wie man sie klischeehaft immer wieder mal vernimmt, sind mir nicht begegnet. Auf ein oder zwei Fragen bezüglich des Weges erhielt ich immer eine zufrieden stellende, wenn auch nicht ausführliche Antwort. In Wickede fragte mich eine Frau während der rast, ob ich denn alles hätte oder noch Wasser bräuchte. Ich verneinte das dankend nicht ohne festzustellen, dass mir das in Deutschland bisher noch nicht passierte.

Für den Naturfreund ist die Ruhr keine Offenbarung, doch findet er auch hier hübsche Fleckchen und ursprüngliche Landschaft. Das gebirgige Sauerland ist zwar mehr für den Wanderer interessant, doch der Radfahrer kann teilweise auch diese Wege mitbenutzen (z.B. im Arnsberger Wald) oder von der Ruhr aus die hügelige Silhouette weniger schwitzend betrachten. Aber auch im Revier fährt man entlang des grün umsäumten Flusses, durch Auen oder Wälder. Neben den vor allem im Sommer überlaufenen Stauseen wie den Kemnader oder Baldeneysee gibt es weniger bekannte Regionen, die vom interessierten Touristen noch zu entdecken sind wie z.B. das Muttental bei Witten. Es gewährt Einblick in den Bergbau und die Kohleindustrie, bietet aber auch Sportangebote, Wander- und Fahrradwege in schöner Natur.

Vom kleinen Dorf im Sauerland bis zur Metropole an der Mündung in den Rhein wartet die Ruhr in städtischer Hinsicht mit Vielseitigkeit und einigem Charme auf. Fachwerk ist in jeder Stadt zusehen. Die beiden Städte, die ich mir näher angesehen habe, boten in de Altstadt viel davon: Arnsberg und Hattingen. Die Burg überwacht die Arnsberger Ruhrschleife. Der Weg dorthin ist steil, aber schön, besonders der Alter Markt mit dem Glockenturm. Auch Hattingen hat ein wunderschön restauriertes Zentrum, in dem besonders der Malerwinkel, das Bügeleisenhaus und der schiefe Turm der St.-Georgskirche hevorsticht.

Die Kohle- und Stahlindustrie in der "größten Stadt Europas" war der bestimmende Faktor der Region in vielerlei Hinsicht. Sie prägte die Landschaft, die Kultur und die Menschen gleichermaßen. Auch heute ist Sie noch trotz ihrer wirtschaftlich schwindenden Bedeutung ein markanter Anziehungspunkt. Das Wasserkraftwerk am Hengsteysee, die Henrichshütte in Hattingen und die Zeche Zollverein in Essen sind nur Beispiele markanter Symbole deutscher Industriekultur.

Auszeichnungen zum UNESCO-Weltkulturerbe der Menschheit beflügeln den Tourismus der Region, zu dem auch das Radfahren gehört. Das haben auch die Behörden erkannt und Routen entwickelt, die diese Stätten erschließen: 1000-Feuer-Route, Emscher-Radweg oder Ruhr-Radweg. Das alles ist sicherlich nicht jedermanns Sache, doch bevor man wieder die Vorurteile "dreckig, verseucht und hässlich" aus der Versenkung holt, sollte man beachten, dass das Ruhrgebiet mit seinem industriellen Erbe ein außergewöhnlicher Kumulationspunkt deutscher Kultur und nicht weniger einzigartig wie Le Mont Saint-Michel oder das Great Barrier Reef ist.