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© by Jens Sieckmann

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Einige Erfahrungen, die Frankreich im Allgemeinen betreffen, habe ich bereits in meinem Bericht über die Bretagne erwähnt. Ich möchte deshalb besonders die Dinge aufgreifen, die davon abweichen und hauptsächlich für die Provence bzw. Südfrankreich stehen.

Die Menschen:

Frankreich ist eine Nation reich an Kultur. Historisch bedingt finden wir, wie in vielen anderen Nationen auch, weitaus größere Differenzen zwischen Nord und Süd als zwischen West und Ost. Die südöstliche Lage der Provence nahe des Mittelmeers hat ein wenig spanischen, mehr italienischen, aber auch relativ viel nordafrikanischen Einfluss. Viele Immigranten aus den ehemals französischen Kolonien Algerien und Marokko haben in der Provence ihr Zuhause gefunden. Inwieweit eine Integration stattgefunden hat, mag ich nur am Rande beurteilen können. Für mich scheint sie nicht besonders gut gelungen zu sein. Zwar bilden die Aussiedler keine Enklaven mit einer eigenen Infrastruktur zur Selbstversorgung (Wohnen, Essen, Geschäfte, Banken etc.), aber ein gewisse Distanz ist zu spüren. Der Beweis dafür wurde mir knallhart vor Augen geführt, als ich wieder zurück in Deutschland war und die Wahlen in Frankreich stattfanden. Der rechtsextreme Le Pen, der besonders im Süden Frankreich viele Stimmen gesammelt hatte, kam in die Stichwahl mit Chirac. Ein politisches Erdbeben.

Ein Diebstahl habe ich, bis auf die Bagatelle in Nîmes glücklicherweise nicht erlebt. Unsere Fahrräder schlossen wir immer gut ab. Einige Hotel- und Cafébesitzer schienen ebenso umsichtig zu sein, denn einige fesselten ihre Tische und Stühle an das Geländer. Das ist ein Deutschland aber auch üblich.

Dass die Menschen hier temperamentvoller, emotionaler und offener sind, möchte ich eher bestätigen als abstreiten. Wir wurden mehrmals direkt angesprochen, einmal weil wir unsere Gepäcktaschen dabei hatten, ein anderes Mal, weil wir uns verfahren hatten. Als scheu kann man die Südfranzosen sicherlich nicht bezeichnen. Aber ein klares Urteil mag ich dennoch nicht abgeben, weil ich zu wenig Kontakt zu den Einheimischen fand. Die beste Möglichkeit, dieses zu tun, ist das Alleinreisen ohne irgendeine Gruppe oder einen Reiseveranstalter. Es gibt Ausnahmen, aber die sind selten. Leider macht oft das Sprachproblem jeden Entdeckungseifer zunichte.

Gastronomie:

Einfach zu entdecken ist hingegen der Wein, der hier zu den besten der Welt zählt. Es gibt Touristen, die machen fast nichts anderes, als von Weinprobe zu Weinprobe zu fahren, ohne den Rest der kulturellen Landkarte zu erfassen. Natürlich hat jeder seine Vorlieben, aber für mich als Tourist ist eines der erstrebenswertesten Ziele, möglichst viele Facetten des Urlaubslandes zu erkunden. Historisch, landschaftlich, kulturell und gesellschaftlich.

Um kurz etwas zur Küche zu sagen: hervorragend. Während die Deutschen sich eher auf einen Schlag die Bäuche vollknallen, geschieht das in Frankreich, insbesondere in der Provence, in mehreren Etappen. Dazu können der Aperitif, das Entrée, die Hauptspeise und die Nachspeise gehören. Es gibt auch Gänge dazwischen, wie zum Beispiel ein Stück Brot mit Käse.

Sehenswürdigkeiten:

Ich möchte noch die architektonische Vielfalt dieses Landes hervorheben. Von der Antike über das Mittelalter bis zur ultramodernen Neuzeit kann der Urlauber die meisten architektonischen Stile bewundern. Große, weitläufige Kathedralen selbst in kleinen Dörfern stehen den kleinen, dicht gedrängten ockerfarbenen Häuschen in den Städten, aber auch in den ländchen Siedlungen, gegenüber. Sie ergeben einen wunderschönen Kontrast zur grünen Natur.

Landschaft:

Landschaftlich nicht so beeindruckend fand ich die Camargue. Zu sumpfig, zu flach, zu eintönig. Da ich mir nicht viel aus Flamingos und erst recht nichts aus Pferden mache, war für mich die Camargue eine eher uninteressante Etappe abgesehen von Saintes Maries de la Mer, das mir gut gefiel.

Die Provence rund um Arles, Avignon und Nîmes entsprach mehr meinem Geschmack. Gerade im Gebiet rund um Pont du Gard entlang des Gardon mit seinen bewaldeten Bergen hätte ich mich noch länger aufhalten können. Stéphanie meinte, dass diese Gegend der Auvergne ähnelte, womit eine Region mehr zu meinen zukünftigen Urlaubszielen hinzugefügt wurde.

Leider sahen wir nicht die östliche und viel bergigere Provence, weder den Canyon in Vaucluse, den Lubéron mit seinen Lavendelfeldern, tiefen Schluchten und fantastischen Wandergebieten noch die Alpes-de-Haute-Provence. Möchte man diese Gebiete nicht nur sehen, sondern auch erleben, muss man wahrscheinlich seine Trekkingschuhe schnüren.

Fazit:

Alles in allem war der Provence-Urlaub ein fantastisches Erlebnis zur richtigen Jahreszeit. Die Woche mitten im April strotzte nur so vor gutem Wetter. Eine organisierte, aber trotzdem individuelle Radtour hatte ich zum ersten Mal mitgemacht und erschien mir für dieses Land nicht als das Falscheste. Wir hatten keinen Grund zu klagen, weder über unser Material (Räder, Karten, Tourenbeschreibung), noch über die Hotels und Restaurants. Die Tour war gut ausgearbeitet, verlief meist auf kaum befahrenen Straßen und war auch für den durchschnittlich konditionierten Menschen gut zu bewältigen. Nichtsdestotrotz erinnerte ich mich mit ein wenig Wehmut an meine Island-Tour, als ich ein oder zwei Mal vollbepackten Radfahrern mit Zelt begegnete. Jeder Reiseart hat halt ihre Vor- und Nachteile.