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© by Jens Sieckmann

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Für mich als einigermaßen sportlich aktiven Menschen hat Neuseeland einen ganz besonderen Reiz. Ich könnte mir kein geeigneteres Land vorstellen, meinen Hobbies zu frönen, besonders dem Radfahren (auch oder gerade abseits der Straßen). Mir scheint, den Neuseeländern geht es genau so. Selbst in spärlich besiedelten Teilen des Landes, wie beispielsweise die Westküste der Südinsel, die meiner Meinung nach zu den schönsten Landstrichen der ganzen Welt zählt, trifft man immer wieder auf schwer beladene Radfahrer, die auf die schönste Art und Weise das Land erkunden wollen.

Auch wenn die Phrase mittlerweile recht abgedroschen klingen mag: In keinem anderen Land finden sich so viele Landschaftsformen wie in Neuseeland. Von den schon wüstenähnlichen Stränden (Ninety-Mile-Beach) im Norden und malerischen, karibischen Buchten über weites Farmland und Steppe wie in den USA, Gebirge und Seen wie in Kanada, Vulkane wie auf Hawaii, Gletscher wie in der Schweiz, Steilküste wie in Irland oder Schottland bis zu den Fjorden wie in Norwegen und Regenwald wie in Brasilien im Süden des Landes. Erfreulicherweise sind die meisten Gebiete relativ unberührt, was nicht zuletzt an den Initiativen von Landschafts- und Umweltschutzorganisationen liegt. Trotzdem ist manchmal der Kompromiß zwischen Tourismus und Umweltschutz zu erkennen.

Neben den landschaftlichen Schönheiten hat Neuseeland aber noch eine Menge anderer Dinge zu bieten: Da wäre zum einen die Herzlichkeit der Menschen, denen man begegnet. Besonders auf der Südinsel schienen mir die Leute in ruhiger und gelassener Art zu leben, ganz im Gegensatz zur Hektik der Großstadt. Auf unserer zweiten Tour zwischen Lake Tekapo und Lake Pukaki hielt, als wir mit dem Fahrrad eine Pause machten, ein Auto neben uns. Der Fahrer erkundigte sich zunächst nach unserem Gesundheitszustand, bot seine Hilfe an und fuhr, als wir ihm erklärten, daß wir nichts bräuchten, weiter. Das hört sich jetzt vielleicht nach nichts Großartigem an, aber als Selbstverständlichkeit kann man es auch nicht bezeichnen. Mir ist jedenfalls etwas ähnliches in anderen (europäischen) Ländern noch nicht passiert.

Ein weiteres Beispiel für die neuseeländische Mentalität war der Besuch im Beach Café in Whitianga (siehe Reisebericht, 19. Tag). Hier ist man noch weit ab vom geschäftlichen Treiben; Gewinnstreben und Rationalisierung sind zum Glück noch nicht bis hierher gedrungen. Andererseits kann man den Kiwis eine gewisse Verrücktheit nicht absprechen, besonders was den Sport angeht. Dabei meine ich einerseits die Dosis an Aktivität, die hier ein wenig höher als anderswo liegt, und andererseits die teilweise sehr extremen Sportarten und -unterarten, wobei ich das meiste überhaupt nicht mehr als Sport bezeichnen mag. Da wäre zum Beispiel das heute weitverbreitete Bungeejumping. Der normale Sprung vom Kran oder einer Brücke genügt da nicht mehr, es muß schon aus einem Helikopter oder vom Sky Tower in Auckland sein. Jetboating, Paragliding, Skydiving, Helihiking (-biking), Zorbing, Abseiling und angeseilt ein Hochhaus hinunterlaufen (mir ist der Name entfallen) sind keine Seltenheit und gehören durchaus zum Repertoire eines Neuseeländers.

Ich hoffe, daß ich nicht das letzte Mal in Neuseeland gewesen bin. Es gibt noch zuviel Unentdecktes, viele meist abseits gelegene Gebiete, die ich noch gerne besuchen möchte. Man müßte sich dafür einfach mehr Zeit nehmen, sowohl für die landschaftlichen Höhepunkte, als auch für die dort lebenden Menschen; so wird man vielleicht sogar ein richtiger Neuseeländer.