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© by Jens Sieckmann

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18. Tag, 18.02.1999: Tongariro NP - Rotorua

Alle Bilder dieses Tages auf einen Blick.


Beschreibung: Rad- und Busetappe zum Lake Taupo und nach Rotorua zu den heißen Quellen
Strecke: Tongariro NP - Turangi (Fahrrad)
Turangi - Taupo - Rotorua (Bus)
Kilometer: 50 (Fahrrad)
Höhepunkte: Lake Taupo, Haku Falls und Aratiatia Rapids, Whakarewarewa, Hangi & Concert

Heute stand ein besonders ereignisreicher Tag an, so ereignisreich, daß er für meine Begriffe schon etwas zu hektisch verlief.

Um 7:30 Uhr (!!) startete die Reisegruppe gleich mit den Fahrrädern auf der 47 Richtung Turangi. Aufgrund der frühen Morgenstunde war es relativ frisch und auf den längeren schattigen Abfahrten regelrecht kalt. Vor der ersten Pause fotografierte ich noch schnell eines der berühmten aber leider selten gewordenen Kiwi-Schilder [1].

Die ca. 50 Kilometer lange Radstrecke verlief die ersten 30 Kilometer angenehm [2], doch dann stellte sich uns ein steiler Berg in den Weg. Allerdings machte die Landschaft entlang des Urwaldes der Nordinsel die Anstrengung wieder wett. Doch noch weitaus sehenswerter war der Scenic Lookout [3] auf halber Strecke der Abfahrt herunter nach Turangi, der uns einen wunderschönen Blick auf Lake Taupo [4] und Umgebung gewährte. Der 600 Quadratkilometer große See ist ein Wahrheit ein Vulkankrater, gehörend zum wahrscheinlich größten Vulkan der Erde. Ein um 180 n. Chr. registrierter Ausbruch schoß 300 Kubikkilometer (!!!) Material heraus, ein Teil der südlichen Hemisphäre verdunkelte sich, die Aschewolken stiegen bis zu 50 Kilometer hoch in die Atmosphäre. Sogar in China berichtete man von einer verdunkelten Sonne. Einen weiteren Ausbruch dieser Art würde Neuseeland wohl nicht überleben.

Nach dieser einschneidenden Erfahrung fuhren wir noch ein paar Kilometer weiter bis nach Turangi, wo Jörg unsere Räder auflud. Etwas später um 11:30 Uhr konnten wir in Taupo ein Lunch zu uns nehmen und einige Bank- und Shoppinggeschäfte erledigen.

Weiter Richtung Norden lagen auf dem Weg nach Rotorua noch zwei Sehenswürdigkeiten vor uns. Erstere waren die Haku Falls [5], die zwar keine Wasserfälle, dafür aber rasante Stromschnellen waren. An dieser Stelle verengte sich der Fluß in einer Schlucht zu einem reißenden Strom, der dann fauchend durch eine Schlucht rauschte.

Die zweite Sehenswürdigkeit waren die hinter einer Staumauer befindlichen Aratiatia Rapids [6]. Alle zwei Stunden wurde die Staumauer für eine halbe Stunde geöffnet, was den vorher so friedlich erscheinenden Fluß zu einem tobenden Wasserfall mutieren ließ [7].

Nach einer weiteren Stunde Fahrt erreichten wir Rotorua, eine einzigartige, auf aktivem Thermalgebiet [8] erbaute und kulturell hochinteressante Stadt. Wir fuhren gleich nach der Ankunft "Whakarewarewa", das "Thermal Reserve & Maori Cultural Centre", an. Ein weiter Rundgang zeigte uns eine Menge kultureller Höhepunkte Neuseelands. Zuerst besuchten wir eine Schnitzschule, in der einige Maori die hohe Schnitzkunst und auch die anschließende Malerei praktizierten. Das Meeting House im Marae [9] stellte für mich das Herzstück des Parks dar: ein wohleingerichtetes Maori-Haus, das im kulturellen Sinne einen Vorfahren darstellt und dementsprechend gebaut und verziert ist (die Dachbalken z.B. stellen die Rippen dar). Ein Weaving-House, in dem die Kunst des Webens und Flechtens demonstriert wurde, ein Drachenboot, ein Kiwi House, in dem Kiwis beobachtet werden konnten und natürlich die heißen Schwefelquellen mit den Geysiren, die allerdings aufgrund der wenigen Niederschläge in der Vergangenheit nur müde dahinsprudelten, waren weiter Attraktionen.

Plan von Whakarewarewa

Nach dieser Tour blieb uns nun sage und schreibe noch eine halbe Stunde Zeit, um unsere Lodges auf einem Campingplatz zu beziehen, zu duschen und anschließend einem weiteren faszinierenden Event beizuwohnen, um die Kultur der Maori [10] hautnah mitzuerleben, dem Hangi.

Kiwi-Schild

Ein Bus holte uns um 17:20 Uhr ab und brachte uns zum Rotorua Maori Cultural Centre, wo uns eine Maori begrüßte und in einige Maori-Traditionen einwies. Wir mußten einen Chief erwählen, der unsere Reisegruppe vertrat und ein paar weitere Aufgaben zu erfüllen hatte. So mußte er beispielsweise das Begegnungsritual vollziehen: vom Maori Meeting House stürmte ein Maori fauchend und bewaffnet, wild gestikulierend auf unsere Gruppe zu. Anhand eines Zweiges, den er auf den Boden legte und der Reaktion unseres Chiefs Achim, konnte der Maori Warrior erkennen, ob wir freundlich oder feindlich gesonnen waren. Unser Chief wählte natürlich den freundlichen Weg, indem er den Zweig mit Blickkontakt zum Maori aufhob. So gelangten wir in das Meeting House, in dem dann eine ausgedehnte Begrüßung und gegenseitige Vorstellung stattfand. Danach speiste die gesamte Gruppe - außer uns waren auch noch Niederländer, Engländer, Schweden und Australier anwesend - gemeinsam zu Abend; das eigentliche Hangi. Zum Ausklang fand auch noch ein Maori-Konzert statt, das aus traditionellen Gesängen und Tänzen bestand. Lustigerweise wurden auch wir als Publikum miteinbezogen. Die Frauen führten eine Art erweiterten Ententanz vor, während die Männer sich lauthals im Kriegsgebrüll übten. Das ganze war ein wenig "tourimäßig" aufgezogen aber nichtsdestoweniger lustig.

Um 20:30 Uhr an unsere Unterkunft angekommen, beendeten wir den heutigen Tag mit einer Flasche neuseeländischem Wein.


17. Tag: Tongariro National Park 19. Tag: Rotorua - Whitianga