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© by Jens Sieckmann |
9. Tag, 09.02.1999: Haast - Franz JosefAlle Bilder dieses Tages auf einen Blick.
Um 8:30 Uhr brachte uns der Bus ca. zehn Kilometer aus Haast heraus zum Ship Creek, immer noch im dichtesten Regenwald gelegen. Als wir aus dem Bus ausstiegen, fraßen uns erst einmal die Sandflies auf. Bis zu diesem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht, wie weit in mir masochistische Anlagen ausgeprägt waren; jedenfalls neigte man hier zur Selbstkasteiung. Andere waren der Meinung, unsere hektischen Bewegungen zur Vertreibung der Sandflies, seien der neue wohlchoreographierte "Sandfly Dance". Der Ship Creek Walk [1] führte durch den bisher dunkelsten und grünsten Wald über ein morastiges, braunes und stehendes Gewässer [2], in dem allerlei Bäume verrotteten. Begleitet wurden wir von teils melodischen, teils einfach nur witzig klingenden Vogelstimmen. Ein Höhepunkt der Wanderung war zweifelsohne der Dinosaur Tree [3], ein ca. 55 Meter hoher Kahikatea Baum. Diese größten Bäume Neuseelands können bis zu 65 Meter hoch und 1.200 Jahre alt werden. Auf dem Rückweg, nahe unseres Ausgangspunktes, machten wir noch einen kleinen Abstecher zur 200 Meter entfernten, rauhen Westküste, Tasman Sea [4, 5] genannt. Ein kleiner Aussichtsturm erlaubte einen Rundumblick.
Weiter Richtung Norden lag auf einem Berg der Knights Point [6], Startpunkt der heutigen Radetappe. Erneut schien die Sonne, doch zu heiß war es nie. Die Strecke verlief abwärts an den baumbewachsenen Berghängen und am Lake Moeraki vorbei. Nachdem wir eine kurze Mittagspause vor dem Lake Paringa machten, sattelten wir zur letzten Teilstrecke auf, auf der wir mehrere kleine Flüsse überquerten [7]. Am späten Mittag erreichten wir die Bruce Bay [8] mit dem anliegenden gleichnamigen Örtchen. Wir hatten noch genug Zeit für einen Strandspaziergang; ein Teil der Gruppe frönte einem ihrer Hobbys, dem Muschelsammeln. Nachdem die Fahrräder aufgeladen wurden, stiegen wir in den Bus und fuhren Richtung Franz Josef Gletscher gen Norden. Der erste Stop war am Fox Glacier Viewpoint, von dem man - oh Wunder - doch tatsächlich den Fox Gletscher sehen konnte [9], dessen weißes Eis das Licht gleißend zurückwarf. Vor Franz Josef Township machten wir am Straßenrand halt. Wir folgten einem kleinen Wanderweg, dem Minnehaha Walk [10], der ein Stück durch den Wald [11] führte und später wieder auf die Straße traf.
Um 16:00 Uhr landeten wir in Franz Josef Township, in unserer Unterkunft, dem Glacier Gateway Motel. Hier spaltete sich die Gruppe in einen Teil, der auf dem Gletscher mit Spitzhacke und restlicher Kletterausrüstung einen Helihike (Gletscherwanderung mit Hubschraubertransport) unternahm und einen Teil, der zum Fuß des Gletschers wanderte. Ich gehörte letzterer Truppe an. Wir wanderten durch einen Palmenhain zum Fuß des Franz Josef Gletschers [12, 13]. (Man möge meine Formulierung beachten, die in einem Satz "Palmenhain" und "Gletscher" erwähnt, zwei Worte, die sich scheinbar naturgesetzlich ausgrenzen, aber in diesem Fall, geographisch gesehen, unmittelbar beieinander liegen; kaum zu glauben.) Der Gletscher führte milchig-graues Wasser, das am Ausfluß an der Gletscherzunge gehörigen Lärm verursachte und zudem saukalt war [14]. In der Nähe befand sich Peters Pool, ein kleiner Teich, der ein Spiegelbild des Gletschers erzeugte, das bei Windstille besonders eindrucksvoll erschien [15]. Ein hervorragendes Abendessen im gemütlichen Blue Ice Café beschloß den ereignisreichen Tag.
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