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© by Jens Sieckmann

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Meine Erinnerungen vom letzten Urlaub in Mecklenburg-Vorpommern, den ich mit meinen Eltern vor ungefähr 10 Jahren auf Usedom verbrachte, sind nahezu verschwunden. Die sandigen Wege und die vorherrschenden Kiefernwälder blieben mir allerdings im Gedächtnis. Das war dann auch das erste, was mir bei der Ankunft auffiel.

Landschaftlich kann man den Teil Mecklenburg-Vorpommerns, den wir besuchten, ohne Zweifel als schön bezeichnen. Man sollte allerdings weder eine Abneigung gegen Wald, noch gegen Wasser haben. Beides ist hier in Hülle und Fülle vorhanden und ergeben in guter Dosis und Mischung mit kleinen Städtchen und Feldern ein attraktives Landschafstbild, das - gerade was die Wälder und Seen anbetrifft - teilweise schon recht stark an Schweden oder Masuren erinnert.

Monumentale Ausblicke sollte man aufgrund fehlender Höhen nicht erwarten, dennoch birgt diese Gegend, die für Radfahrer, Paddler und Camper gleichermaßen interessant ist, mehr Hügel, als man zunächst aus dem Begriff "Seenplatte" schließen mag.

Ein Großteil des Gebiets ist Naturpark oder Nationalpark, der in einigen kleinen Abschnitten nicht betreten werden darf. Der überwiegende Teil ist allerdings für Fußgänger und Radfahrer bzw. Paddler zugänglich. Hier entdeckt man Tiere, die man anderswo nur äußerst selten sieht. An kleinen Seen jagen Fischreiher nach ihrer Beute und über die Felder fliegt auch öfter mal ein Storch.

Die Natur herrscht in weiten Teilen vor. Siedlungen sind eher klein, verteilt und meist ländlich geprägt, abgesehen natürlich von den größeren Städten wie Waren, Neustrelitz und Neubrandenburg oder den Gemeinden, wo früher der Adel lebte, wie beispielsweise in Rheinsberg. Diese Städte sind nicht nur historisch und architektonisch von großem Reiz, sondern mittlerweise auch aufgrund zahlreicher Kulturangebote und Freizeitveranstaltungen Treffpunkt für jung und alt. So fand am Tag vor unserer Abreise ein großes Open Air-Rockkonzert in Neustrelitz statt. Auch ein Musical wurde hier aufgeführt.

Die sonst so von den meisten verabscheuten Plattenbauten waren in ihrem Stil z.B. in Neustrelitz zwar immer noch wiederzuerkennen, machten auf mich aber wegen großflächiger Renovierungen und Sanierungen einen viel freundlicheren Eindruck als man im allgemeinen glauben mag.

In viele Städte wurde massiv Geld gepumpt, um sie attraktiver zu gestalten und als Tourismusregion zu fördern. So veränderten massive Baumaßnahmen teilweise ein ganzes Stadtbild, was aufgrund schlechter Bausubstanz aus alter DDR-Zeit aber mancherorts sicherlich auch nötig war. So hat sich z.B. Waren zu einer eleganten, feinen Stadt gemausert.

Vergleicht man das Preisniveau mit dem im Rheinland, z.B. mit Köln, erscheint einem das Leben hier äußerst günstig. Die Restaurantpreise, vorausgesetzt man setzt sich nicht gerade in ein Spezialitätenhaus in eine der Innenstädte, sind niedrig. Wir bekamen für 1,10 Euro ein 0,3er-Pils und für 3,50 Euro ein Fischfilet mit Kartoffeln und Gemüse.

Dass diese Tatsache in dieser Gegend Jubelschreie auslöst, konnte ich allerdings nicht erkennen. In einem Gespräch mit einem ehemaligen Postangestellten wurden die Probleme deutlich, die man im Urlaub üblicherweise verdrängt: Lohnniveau, Konjunkturschwäche, Arbeitslosigkeit. Letztere liegt in dieser Gegend bei 20 Prozent, aber inoffiziell zzgl. Gelegenheitsarbeiter, Minijobs und ABM wohl eher bei 40 Prozent. Interessanterweise entdeckte ich viele Plakate, die die Existenzgründung bewarben und zu Messen, Kongressen und Seminaren einluden.

Zurück zum Radfahren. Die Radwege hier an der Mecklenburgischen Seenplatte sind größtenteils gut, obwohl man bei einigen wenigen Sandwegen eher von Wanderwegen sprechen müsste, die keinesfalls familientauglich sind. Viele Wege führen durch Wälder, die gerade an den heißen Tagen eine Abkühlung verschaffen, und um Seen, von denen sich viele auch zum Baden eignen, z.B. der Fürstensee, Tollensesee und der Stechlinsee. Einige der gut ausgeschilderten Radwege - eine Karte ist dennoch durchaus empfehlenswert -, insbesondere einige Rundwege um Seen durch die Wälder sind herrlich idyllisch, vorausgesetzt das Wetter spielt mit.

Für längere Radtouren sollte man mit einem Mountainbike oder Trekkingrad unterwegs sein. Mit einem dünn bereiften Rennrad wird man seine Schwierigkeiten auf den wechselnden Belägen, wie Waldwegen, lockerer Schotter, Sand und Feldsteinwegen haben.