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© by Jens Sieckmann |
23. Tag: 16.07.2001, ÞórsmörkAlle Bilder dieses Tages auf einen Blick.
Wir nahmen den Hochlandbus von Hvollsvöllur nach Þórsmörk, um dort ein wenig zu wandern. Nach einer halbwegs geruhsamen Nacht gingen wir zur Esso-Station, wo der Bus um 10:30 Uhr startete. Þórsmörk ist ein von drei Gletschern umrahmtes, grünes und wasserreiches Tal, das als einer der schönsten Plätze auf ganz Island gilt und vor allem am Wochenende von vielen Einheimischen als Ausflugsziel angesteuert wird. Da das Gebiet abseits der Ringstraße nur über äußerst schlechte Schotterstraßen erreicht werden konnte, wurde die Busfahrt zu einer kleinen Safari. Aber selbst die über 20 Flussdurchquerungen, besonders die breiten, ca. einen Meter tiefen, milchigen Gletscherflüsse, schienen dem erfahrenen Busfahrer nur ein müdes Lächeln abzuringen. Wohl aber Probleme bereiteten die unberechenbaren Gewässer ein paar unvorbereiteten, schlecht ausgerüsteten Touristen, die mit "normalen" Straßenautos unterwegs waren. Einige blieben stecken, andere waren einsichtig genug, wieder umzukehren. Die 90-minütige Fahrt endete in Húsadalur, dem Touristenzentrum Þórsmörks mit Café und Campingplatz, wo ich mir zur besseren Orientierung eine Wanderkarte kaufte. Wir hatten ca. drei Stunden zur Verfügung, um das Tal zu erkunden bis der Bus um 15:30 Uhr die Rückreise antrat. Wir wählten einen dementsprechenden Rundweg aus, der so viele Highlights der Gegend wie möglich beinhaltete. Der Himmel war zwar fast vollständig bedeckt, aber ab und zu lugte dann doch noch einmal die Sonne durch die Wolken. Am Zeltplatz vorbei liefen wir durch einen sehr schönen Birkenwald mit noch jungen kleinen Bäumen. Der Weg stieg leicht an, und nach 20 Minuten gelangten wir zu einer Holztreppe, die zum ersten Aussichtspunkt Snorrariki führte [1], von dem man gut das steinige Tal, das der Bus vorhin durchquert hatte, überblicken konnte. Weiter durch das grüne Langidalur [2] brachte uns der Weg zu einem anderen Campingplatz, der am Fluss Krossá lag.
Nach einer viertelstündigen Pause, in der ich mich der Ersatzdroge Schokomuffins hingab (die Hauptdroge waren ungemein leckere Kekse mit Zimtgeschmack und Schokoladenüberzug, von denen ich auf der gesamten Island-Tour annähernd zehn Packungen verschlungen habe), bestiegen wir den Berg Valahnúkur mit seinen 465 Metern. Der Blick vom Gipfel war atemberaubend [3]. Zerklüftete grüne Berghänge [4], steinige Täler, Gletscher und Birkenwälder erzeugten ein urzeitliches Panorama, das von der Zivilisation bisher fast unberührt blieb. Aber einsam waren wir nicht [5], denn ein Schwede hatte die Spitze kurz zuvor erklommen und schmierte sich genüsslich einige Butterbrote. Er war bereits der fünfte ausländische Farmarbeiter, den wir auf Island trafen, und der nun seine letzten Urlaubstage genoss. Wie so viele schaute er ein wenig verwundert, als mir ihm miteilten, wir würden Island mit dem Fahrrad umrunden. Der Abstieg [6, 7, 8] war ein wenig mühselig aufgrund seiner Steilheit und unserer doch schon sehr lädierten Beine. Unterwegs kam uns dann auch noch eine Schlange Touristen entgegen, natürlich aus Deutschland, die in voller Breite den gesamten Wanderweg ausfüllte. Diese Truppe schien zwar eine "Aktivreisegruppe" zu sein, aber dennoch schossen mir einige Gedanken durch den Kopf, die man unweigerlich mit Pauschal- oder Bustourismus in Verbindung bringt. Das Abklappern von Sehenswürdigkeiten oder das "Unter-sich-bleiben". Ich will nicht ausschließen, dass ich als Senior auch einmal eine solche Tour unternehmen werde, aber solange ich noch körperlich fit bin, werde ich wohl eher als Individualreisender versuchen, das Land in all seinen Facetten zu genießen und zu studieren. So lässt sich auch der persönliche Kontakt zu anderen, ebenfalls individuell Reisenden (individuell heißt nicht unbedingt allein) pflegen. Außerdem erhält man einen wesentlich besseren Einblick in die einheimische Lebenskultur. Früher als erwartet erreichten wir wieder den Ausgangspunkt des Rundwanderweges, so dass wir noch fast anderthalb Stunden auf den Bus warten mussten. Und wir warteten nicht allein, sondern mit ungefähr 50 anderen Passagieren zusammen. Als der Bus den Campingplatz erreichte, stiegen sofort einige ein, um noch einen der begehrten Plätze zu erhalten. Die Frau an der Touristeninformation besorgte einen zweiten Bus und meinte, das noch sieben Plätze im ersten frei seien. Sie wollte aber die Entscheidung nicht treffen, wer diese nun erhielte. Da fast nur noch große Gruppen anwesend waren, die nur zusammen fahren wollten, konnten wir dann doch noch den ersten Bus zurück nach Hvollsvöllur nehmen, wo er schließlich um 17:00 Uhr eintraf. Ein Besuch des Schwimmbades und eine leckere Tütensuppe rundeten den herrlichen Tag ab. Spät am Abend trafen wir die Italiener wieder, die wir am Myvatn kennen gelernt hatten und scheinbar die Kjölur-Route unbeschadet überstanden hatten. Sie hatten vor, den weiteren Islandurlaub mit der Rückreise zur Fähre nach Seyðisfjördur zu verbringen und dann selbige nach Schottland zu nehmen. Eine Reise mit dem Fahrrad durch halb Europa. Wahnsinn!
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