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© by Jens Sieckmann

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22. Tag: 15.07.2001, Vík - Hvollsvöllur

Alle Bilder dieses Tages auf einen Blick.


Beschreibung: Radetappe und Busfahrt; Der Bus hilft aus, Dyrhólaós, Skógafoss
Strecke: Vík - Skógar (Fahrrad)
Skógar - Hvollsvöllur (Bus)
Kilometer: 43
Schnitt: 15,6 km/h
Höhepunkte: Torhügelfelsen Dyrhólaós, formvollendeter Wasserfall Skógafoss

Ein schöner Morgen bei angenehmen Temperaturen begrüßte uns auch heute. Der Wind, der stark von schräg vorne kam, war uns aber überhaupt nicht gut gesonnen. Nach Vík umfuhren wir den Berg Reynisfjall und konnten die schöne Umgebung ein letztes Mal aus der Höhe bewundern.

Nach einer kurzen Abfahrt und ca. zehn weiteren Kilometern gelangten wir zum Abzweig der Straße 218, die zu den Torhügelfelsen (Dyhólaós) führte. Dieser südlichste Teil des Landes war deshalb so besonders, weil sich in der steilen Felsküste Torbögen befanden, durch die sogar kleinere Boote hindurchfahren konnten. Auch allerlei Seevögel nisteten hier.

Wir beschlossen also, die fünf Kilometer Schotterpiste zu dieser Sehenswürdigkeit zurückzulegen. Das Gepäck verstauten wir in einer Kuhle am Wegesrand, so dass wir ohne schwere Last fahren konnten. Sorgen wegen Diebstahls machten wir uns keine. Das einzige, was in Island geklaut wird, sind volle Bierdosen.

Nach 20 Minuten gelangten wir auf der schlechten Strecke an die besagten Klippen [1]. Ein Touristenbus und mehrere Autos standen bereits dort. Da ich selbstverständlich Fotos von der Naturkuriosität machen wollte, kletterte ich zum Sandstrand hinunter [2]. Ein älterer Herr war vor mir des Weges und konnte gerade noch in blitzschneller Reaktion vor der massiven Gischt fliehen, die eine hohe Welle erzeugte, als sie vor die Felsen knallte (es sah zum schießen aus!).

Auf halbem Rückweg nahm ich ein kurzes knackendes Geräusch war, das ich zunächst der Schaltung zudeutete. Ich sah beim Fahren auf den Hinterreifen, konnte dort aber keine Unregelmäßigkeit erkennen.

Wieder auf der Ringstraße angelangt, untersuchte ich die Sache einmal genauer und musste leider feststellen, dass doch eine Speiche gerissen war. Also die übliche Prozedur [3]. Beim Einspeichen unterlief mir dann als Grobmotoriker mit meinen ungeschickten Pranken ein dummer Fehler: Mir fiel der Speichennippel in die Hohlkammerfelge, und sie wollte sich nicht wieder aus ihrem Versteck heraus begeben. Ich ließ es gut sein, baute das Rad zusammen und wir setzen die Reise fort. Das dauernde Geräusch des klappernden Nippels raubte mir aber den letzten Nerv.

Zwei Kilometer vor Skógar war es dann soweit: Mein Hinterreifen verabschiedete sich mit einem lauten Knall. Ich vermutete, dass der verlorene Speichennippel der Auslöser war, weil auf der Felgenseite des Schlauches ein Loch klaffte und auch das Felgenband an einer Stelle angerissen war. Ganz sicher war ich jedoch nicht. Wir hatten sagenhaftes Glück, das 20 Minuten später der Bus Richtung Reykjavík auf unser Zeichen (*wink* *brüll* *aufdiestraßewerf*) hin anhielt und uns mitnahm. Meine Stimmung stieg vom absoluten Nullpunkt ein wenig in den positiven Bereich.

Torhügelfelsen

Der Bus hielt beim Skógafoss [4] an, einem formvollendeten Wasserfall, den ich aber wegen der Touristenströme nicht wirklich genießen und auch keine guten Fotos machen konnte. Außerdem stoppte der Bus hier nur für fünf Minuten.

Um 15:00 trafen wir in Hvollsvöllur ein. Peter musste meine immer noch schlechte Laune glücklicherweise nicht ertragen, da er eine Gesprächspartnerin gefunden hatte: eine Deutsche, die für ein halbes Jahr auf einer Farm arbeitete. Ich konnte mich nicht am Gespräch beteiligen, denn wenn ich in schlechter Stimmung bin, dann schweige ich beharrlich.

Der Campingplatz war glücklicherweise nicht fern von der Bushaltestelle, weswegen ich mein Rad die 200 Meter trug. Ich begab mich sofort an die Lösung meines Problems und konnte tatsächlich mit Besonnenheit und etwas Ruhe (und Taschenmesser und Zange), den nervigen Speichennippel entfernen. Bei der Gelegenheit wechselte ich auch gleich den nahezu abgefahrenen Mantel des Hinterrades und die hinteren Bremsbeläge. Nun ging es mir schon wesentlich besser. Die übliche Fressorgie, die ich bei solchen Situation häufiger als psychologischen Ausgleich nutze, fiel diesmal aus. Okay, okay, es war aber nur ein ganz kleines Stück Schokolade.

Auf dem Zeltplatz von Hvollsvöllur war ein Franzose anwesend. Er hatte ein relativ altes Mountain-Bike mit schwerem Stahlrahmen ohne Packtaschen oder wetterfester Ausrüstung dabei. Dafür besaß er einen großen Rucksack mit dem er von Keflavík bis hierhin geradelt war. Er wollte von hier mit einem kleineren Rucksack Tagestouren unternehmen.

Aus meiner Sicht ist es eine Höllenqual, mit einem großen schweren Rucksack beladen, Fahrrad zu fahren. Aber ihm schien das keine Probleme zu bereiten. Er fuhr sogar die übelsten Strecken im Hochland und schob dann das Fahrrad einige Berge, die ihm zu steil erschienen, hinab (!), weil er Angst vor Materialschäden hatte. Echt wahnsinnig. Dieser Mann stand auf der Abgefahrenheitsskala eindeutig an Nummer 1.

Bevor ich aber nun wegen meiner erfolgreichen Reparaturarbeiten im siebten Himmel schwebte, dämpfte das Schwimmbad etwas meine Stimmung, das vor unserer Nase schloss. Nun blieb noch übrig, im Supermarkt einzukaufen, zu kochen und mich auf den morgigen, fahrradfreien Tag zu freuen.

Am Abend spazierte ich dann durch den kleinen Ort, um vielleicht noch in der Touristeninformation etwas über Þórsmörk, unserem morgigen Ausflugsziel, zu erfahren. Das war leider nicht so. Dafür durfte ich aber die Gesellschaft einer Köchin genießen, die im benachbarten Restaurant isländische Gerichte zubereitete. Hier in Hvollsvöllur befand sich ein Sagenzentrum, das Führungen zur isländischen Njáll-Saga, dem Pendant zur Nibelungen-Saga, anbot. Die Dame informierte mich über diesen Ort, und wir sprachen auch ein wenig über den Tourismus in Island. Sie schien mir eine leibhaftige Isländerin zu sein. Freundlich lächelnd, witzig und ein wenig übergewichtig.


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