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© by Jens Sieckmann

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20. Tag: 13.07.2001, Skaftafell - Kirjubæjarklaustur

Alle Bilder dieses Tages auf einen Blick.


Beschreibung: Radetappe; ein Stück Einsamkeit im Süden
Strecke: Skaftafell - Kirkjubæjarklaustur
Kilometer: 73
Schnitt: 20,9 km/h
Höhepunkte: Kirchenfußboden in Kirkjubæjarklaustur, Hot-Dog-Orgie

Wir wachten heute schon das zweite Mal hintereinander bei Sonnenschein auf. Schon um 9:30 Uhr saßen wir wieder auf den Rädern, als wir Skaftafell Richtung Westen verließen. Zuerst hatten wir Rückenwind, 30 Kilometer durch die trostlose Sandwüste Skeiðarársandur, die sich links zum Meer hin erstreckte. Zur rechten war noch der Skeiðarárjökull zu erblicken. Die Landschaft änderte sich nun aber merklich zu grünen Wiesen und Farmland. Viele Bauern nutzten das schöne trockene Wetter, um Heu einzufahren.

15 Kilometer vor Kirkjubæjarklaustur gelangten wir zu einer besonderen, "sagenumwobenen" Stätte, Dverghamar (Zwergenklippen) [1] genannt, in der Sippen der halbwüchsigen Rasse einst gehaust haben sollen. Ich dachte schon, ein Exemplar entdeckt zu haben, aber es handelte sich dabei nur um einen herumwuselnden Japaner.

Da wir heute mal wieder einen schnellen Reifen fuhren, erreichten wir Kirkjubæjarklaustur [2] schon um 14:00 Uhr, wo wir uns zunächst am Zeltplatz einquartierten, das Schwimmbad im Edda-Hotel besuchten und Bockwürstchen, Brötchen, Käse und Cocktailsauce für eine unmenschliche Hot-Dog-Orgie erwarben. Bevor wir diese starteten, legte sich Peter noch für ein Stündchen aufs Ohr, währenddessen ich mir noch ein wenig die Gegend anschaute.

Ungefähr zwei Kilometer vom Campingplatz entfernt war ein kurioses Produkt geologischer Aktivität zu bestaunen: Der Kirkjugólfið [3], eine einige Quadratmeter große Basaltsteinfläche, die im Sechseckformat einem Kirchenboden ähnelte. Just zu der Zeit als ich ankam, warf ein Reisebus eine Ladung deutscher Touristen aus, von denen einige teils kritische, teils verständnislose Blicke auf mein Fahrrad warfen. Nun ja, jeder nach seiner Façon.

Dverghamrar

Ich fuhr zurück, am Hotel vorbei [4] zu einem kleinen Haus, einer Art Kulturzentrum, in dem einige historische Fakten und geologische Besonderheiten der Region bild- und textlich dem Besucher verdeutlicht wurden. Ich war allein im Gebäude, als ein netter älterer Herr sich eine halbe Stunde Zeit nahm, um mir ganz persönlich all diese Dinge näher zu bringen. Zum Beispiel der Pfarrer der hiesigen Gemeinde, der mit seinem Gebeten den Lavastrom des damals ausgebrochenen Vulkans zu einem anderen Ort "lenkte", um Menschenleben zu retten (Er war allerdings auch Wissenschaftler, weshalb die Lenkung des Lavastroms wohl nicht nur durch göttliche Intervention ihren Lauf geändert haben dürfte). Ich war sehr beeindruckt vom umfangreichen Wissens des Mannes, trug mich ins Gästebuch ein und spendete ein wenig.

Nach der besagten Hot-Dog-Orgie (fünf für jeden!) schauten wir uns noch ein wenig die zu absolvierenden Etappen an. Je weiter der Abend fortschritt, desto voller wurde der Zeltplatz. Da Freitag, also Wochenende war, kamen nach und nach immer mehr Einheimische mit ihren ausklappbaren Campingwagen angerollt, bis der Platz zu bersten drohte. Wir und ein Paar aus Bonn amüsierten uns ein wenig über die Isländer, die mit ihren dicken Muscle Cars [5] mit Camping-Anhängern am Wochenende mächtig einen draufmachten.

Ebenso lernten wir ein Pärchen aus Leipzig kennen, das auf einem (!) Motorrad unterwegs war. Eine logistische Meisterleistung, zwei Personen und Gepäck auf einem Motorrad unterzubringen. Sie liehen sich unsere Kochtöpfe aus, weil ihnen ein halber Liter Ersatzöl ausgelaufen war und sich nun ekelhafterweise in ihren Gepäcktaschen verteilte.


19. Tag: Skaftafell 21. Tag: Kirkjubæjarklaustur - Vík