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© by Jens Sieckmann |
19. Tag: 12.07.2001, SkaftafellAlle Bilder dieses Tages auf einen Blick.
Den heutigen Ruhetag hatten wir uns wahrlich verdient. Wir schliefen bis 9:00 Uhr und machten uns um 10:30 Uhr auf, um ein wenig das Gebiet Skaftafell zu Fuß zu erkunden. Wir hatten am Tag zuvor von der Zeltplatzverwaltung [1] eine kleine Karte in die Hand gedrückt bekommen, an der wir uns orientieren konnten. Der durch große Artenvielfalt an Pflanzen und Vögeln auffallende Nationalpark Skaftafell [2], 1967 gegründet, bietet auch dem weniger gut konditionierten Wanderer und Naturfreund viele Ausflugsmöglichkeiten: Wasserfälle, Birkenwälder, Moorwiesen und Gletscher sind auf ausgeschilderten Pfaden zu erforschen. Wir wanderten vom Campingplatz anhand der Wegmarkierungen bergauf am Fluss entlang, an dem viele kleinere Wasserfälle [3] zu bewundern waren. Der interessanteste war zweifellos der Svertifoss [4], der 20 Meter, von prismenartigem Basaltgestein umgeben, in die Tiefe fällt. Eine nervige Reisegruppe versperrte mir eine halbe Stunde lang die Sicht, bevor ich ein einigermaßen vernünftiges Foto schießen konnte. Peter trat wieder den Rückweg an. Ich wollte aber noch etwas weiter die landschaftliche Schönheit das Parks erforschen [5]. Am Wasserfall vorbei ging es weiter zum Aussichtspunkt bergauf, von dem man einen herrlichen Rundumblick genießen konnte. Auf der einen Seite Berge [6], Gletscher und Wiesen, auf der anderen eine 1000 Quadratkilometer große Sandwüste [7]. Genauer gesagt handelt es sich um einen Sander, eine von Vulkanausbrüchen geformte und von Gletscherwassermassen geebnete Sandfläche. Der Abstieg führte mich wieder am Bach entlang durch einen idyllischen kleinen Birkenwald [8], bis ich wieder einen Kilometer westlich vom Zeltplatz Meereshöhe erreichte.
Am Mittag streifte ich durch das Hauptgebäude des Campingplatzes. Er war für isländische Verhältnisse sehr groß und modern eingerichtet. Professionell organisiert, aber leider auch von Touristen umlagert, war die Information gerammelt voll. Nicht gerade reizvoll für einen Menschen wie mich, der sich unter Menschenmassen nicht sonderlich wohl fühlt. Informativ war aber die ausführliche Ausstellung über Islands Geschichte und Geologie. Kurz zusammengefasst: Auf Island ist die einzige Stelle vorzufinden, in der die beiden Erdplatten (eurasisch und nordamerikanisch) auf Meereshöhe, bzw. an Land stoßen. Die entstandene Spalte wird der Mittelatlantische Rücken genannt und wächst einige Zentimeter pro Jahr (die Platten driften auseinander). Heißes Magma aus dem Erdinneren dringt an die Oberfläche, lässt neues Land entstehen und verändert Islands Antlitz somit ständig. Sehr aufschlussreich waren auch die Informationen zur vulkanischen Aktivität, insbesondere des Oræfajökull, der bei seinen Ausbrüchen verheerende Schäden verursacht hatte. Sehr erdrückend waren dazu die Tagebuchauszüge und Augenzeugenberichte einiger Zeitgenossen aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Pferde- und Schafsherden ertranken in den Fluten des geschmolzenen Gletschereises oder versanken kläglich in der mit Wasser zu sickerndem Schlamm verbundenen Vulkanasche. Da der Vulkan von teilweise hunderten von Metern dicken Eisschichten umgeben ist, kann man sich ein Bild von den Massen an Dreckwasser vorstellen, die ganze Landstriche unter sich begraben. Ein eindrucksvoller Videofilm auf einem Großbildschirm zeigte die mächtige Gewalt noch einmal in aller Deutlichkeit. Am Nachmittag nahmen Peter und ich noch den Wanderweg zum Skaftafellsjökull [9], dem Gletscher, zwei Kilometer vom Zeltplatz entfernt. Man konnte noch einige hundert Meter auf dem harten, dreckigen Eis spazieren [10], aber das Ganze war nicht besonders gesund für unsere dünnen Fahrradschuhe. Es war dennoch sehr beeindruckend, einen Gletscher einmal aus unmittelbarer Nähe zu betrachten, zu befühlen und zu begehen.
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