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© by Jens Sieckmann |
18. Tag: 11.07.2001, Höfn - SkaftafellAlle Bilder dieses Tages auf einen Blick.
In der Nacht hatte der Wind unser Zelt gehörig strapaziert, weshalb wir nur ein paar Stunden geschlafen hatten. Nichtsdestotrotz setzten wir unsere Fahrt frühzeitig um 9:30 Uhr fort. Bei noch immer andauerndem Wind wurde der 15 Kilometer lange Bogen nördlich von Höfn zur echten Qual. Als zögen uns starke, aber unsichtbare Kräfte am Gepäckträger nach hinten, als wäre das Fahrrad tonnenschwer. Ich zählte die Straßenbegrenzungspfeiler, doch konnte ich die rettende Linkskurve, die uns wieder in den Wind brächte (und auf der Landkarte so nah aussah), nicht ausmachen. Meter für Meter wurde das Treten schwerer. Einige Male wehten uns Böen von der Seite fast in den Straßengraben. Dann die Linkskurve... Von jetzt an rauschten wir in einem Geschwindigkeitswahn mit 30 km/h auf der Asphaltstrecke Richtung Westen. Sie verlief an beeindruckenden Gletscherzungen vorbei, die alle vom Vatnajökull herunterflossen [1]. Zur Meerseite hin waren teilweise kilometerbreite, von Flüssen durchgrabene Geröllflächen zu erkennen.
60 Kilometer später waren wir an einer der faszinierendsten und einzigartigen Naturperlen Islands, der Gletscherlagune Jökulsárlón [2], angelangt. Die Gletscherzunge des Breiðarmerkurjökull mündet hier in einen See und hinterlässt Eisschollen und Eisbrocken [3, 4], die durch das Kalben an der Gletscherzunge das Aussehen des Sees ständig verändern. Es war zwar kein Bilderbuchwetter, aber dennoch konnte man mit dem Fotoapparat einige schöne "eiskalte" Motive einfangen. Im Café trafen wir auch die Rucksackreisenden aus Deutschlands Süden wieder, die wir am Myvatn kennen gelernt hatten. Sie wollten den Bus um 17:00 Uhr nach Skaftafell nehmen. Der Jökulsárlón sollte eigentlich unser heutiges Etappenziel sein, doch es gab keinen offiziellen Campingplatz und die Gegend war zum Wildcampen wegen tieffliegender Kamikaze-Vögel und hartem Steinboden alles andere als ideal. Auf der Karte war 16 Kilometer nach dem Gletschersee ein Hof eingezeichnet, auf dem man angeblich zelten könne. Also radelten wir bis dorthin, schoben ca. einen Kilometer unsere Fahrräder auf der unbefahrbaren Schotterpiste zum Hof landeinwärts, nur um zu erfahren, das Zelten nicht möglich war. Das glaubte ich zumindest zu verstehen, was mir der alte Mann auf isländisch zu erklären versuchte.
Tja, was nun. Es gab da ein paar Möglichkeiten: Etwas weiterzufahren und in einer Schlafsackunterkunft unterzukommen, versuchen, den Bus nach Skaftafell anzuhalten und hoffentlich mitgenommen zu werden oder ganz bis Skaftafell mit dem Rad weiterzufahren. Wir entschlossen uns, bis 17:00 Uhr Fahrrad zu fahren und dann den Bus anzuhalten, was wir dann auch in Hrappavellir taten. Der Bus stoppte, aber der Fahrer speiste uns mit dem Kommentar "Sorry, no bikes at all" ab. Wir hatten wohl ein zu wenig mitleidiges Gesicht gemacht. Zwar war der Bus klein, aber mit ein wenig Schieberei hätte zumindest ein Fahrrad reingepasst, da ich wahnsinnigerweise sowieso vorhatte, aus eigener Kraft bis Skaftafell zu fahren. So mussten wir beide wahnsinnigerweise bis Skaftafell radeln. Das bedeutete weitere 30 nach den schon zurückgelegten 110 Kilometern. Keuch! Wir hätten zwar die Möglichkeit gehabt, in Hof eine Schlafsackunterkunft zu ergattern, aber der Ehrgeiz (oder die Dummheit?) hatte uns gepackt. Ab Hof fuhr ich wie im Rausch, kam auf den Gedanken, meine Leistungsgrenzen zu testen. Gestärkt durch den Rückenwind flog ich förmlich durch die Landschaft, bis ich um 19:45 Uhr Skaftafell erreichte und uns einen Platz für unser Zelt für zwei Nächte besorgte. Schließlich hatten wir heute zwei Etappen an einem Tag hinter uns gebracht. Nach einer Pause (und einer Rolle Schokoprinzen im Magen) begann ich das Zelt aufzubauen, als Peter erschien. Ziemlich mit unseren Kräften am Ende duschten wir (leider nur lauwarm für 100 Kronen à fünf Minuten) und gönnten uns einen Hamburger zum Abendessen. Als ich dann unsere Stoffhütte öffnete, hörte ich mich noch in den Schlafsack fallen und schlief sofort ein. Was für ein Tag.
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