|
|||||||||||||||||||||||||||||||
© by Jens Sieckmann |
8. Tag: 01.07.2001, Hreðavatnskáli - SæbergAlle Bilder dieses Tages auf einen Blick.
Als ich heute um 8:00 Uhr aus dem Zelt kroch, begutachtete ich mit Verdruss die Müllhalde, die die Isländer in der Nacht hinterlassen hatten. Ich hoffte inständig, dass sie das angerichtete Chaos auch wieder beseitigten. Wir aßen wie immer unser Frühstück (trockenes Brot, das in den Zähnen kleben blieb und Wurst ohne Butter) und starteten dann die Etappe bei leichtem Gegenwind auf der Straße 1, die uns heute nach Sæberg, am Fjord Hrútafjörður gelegen, führen sollte. Abgesehen von einigen kleinen Hügeln war die Strecke eben. Peter fühlte sich nicht sonderlich wohl. Er beklagte etwas die Kälte. Ich bemerkte das, weil er bei den Steigungen ein wenig zurückfiel. Aber ein heißer Tee sollte ihn wieder fit machen.
Die Landschaft war nicht sonderlich sehenswert. Braunes und grünes Gras, das von einigen Felsen durchbrochen wurde und ab und zu ein kleines Flüsschen oder ein See konnten unsere hauptsächlich durch das mäßige Wetter gedrückte Stimmung nicht bessern. Der Wind wurde langsam stärker und die Steigungen steiler. Über 15 Kilometer galt es, 400 Höhenmeter zu überwinden. An sich nichts besonderes, wenn der Wind nicht gewesen wäre, der uns auf acht bis zehn km/h abbremste. Wir gaben für ihn mit unseren voluminösen Packtaschen eine hervorragende Angriffsfläche ab. Ich stellte fest, dass das Singen gegen die Anstrengung ein sehr gutes Hilfsmittel war. Mir fielen dabei neben "It's a Long Way to Inveraray" und "There Is a House in New Orleans" allerlei wetterbezogene Songs ein. Gerade wegen des Gegenwindes gefiel mir "Wind of Change" von den Scorpions oder "Master of the Wind" von Manowar. Den Wettergott beruhigen wollte ich mit "Sunshine Reggae", aber keinesfalls verärgern mit "Thunderstruck". Auf dem Gipfel der Etappe hielten wir bei einer für Wanderer in Notfällen gedachten Schutzhütte an [1]. Sie war mit Spülbecken, Betten und einer kleinen aber nicht funktionierenden Heizung ausgestattet. Nach der angenehmen Abfahrt genehmigten wir uns einen heißen Tee und kauften etwas Proviant in der Servicestation in Brú ein. Solche Servicestationen sind an Islands Straßen häufig anzutreffen. Sie bieten nicht nur Kraftstoff für Autos und LKW, sondern sind sowohl lokale Treffpunkte hiesiger Gemeinden als auch Rast- und Auffüllstationen der Touristen. Ein Fastfood-Restaurant, ein kleiner Supermarkt, Bankautomat, Toiletten und Souvenir-Shop reihen sich ins Angebot ein. Die letzten knapp 20 Kilometer bis Sæberg waren noch einmal äußerst kraftraubend. Allerdings schaffte ich trotzdem die gesamte Strecke relativ problemlos, obwohl ich quasi nicht geschlafen hatte. Sæbergs Jugendherberge mit nebenliegendem Zeltplatz war schön eingerichtet und fast vollkommen verlassen. Da der Platz im Vergleich zur Herberge 1000 Kronen billiger war, bevorzugten wir diesen und hatten sogar einen beheizten und mit Kochmöglichkeiten ausgestatteten Aufenthaltsraum zur Verfügung. Auch eine heiße Dusche und einen Hot-Tub konnten wir für unsere Zwecke nutzen.
|
||||||||||||||||||||||||||||||