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© by Jens Sieckmann

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7. Tag: 30.06.2001, Borganes - Hreðavatnskáli

Alle Bilder dieses Tages auf einen Blick.


Beschreibung: Radetappe; Planänderung, eine Nacht mit Isländern
Strecke: Borganes - Varmaland - Hreðavatnskáli
Kilometer: 47
Schnitt: 15,8 km/h
Höhepunkte: Krater Grábrok, Party mit isländischen Teenagern

Ich schlief im Gegensatz zu Peter diese Nacht sehr gut und war dementsprechend ausgeruht. Wir hatten einen Tag verloren, doch schrieb ich die Umrundung der Halbinsel Snæfellsnes noch nicht ab.

Wir wollten den Bus um 10:00 Uhr zu dem Punkt nehmen, an dem unser eigentliches heutiges Etappenziel lag: Buðir. Ich kaufte noch schnell ein paar von den leckeren, in Fett gebackenen Krapfen (das war jetzt schon die dritte Packung in drei Tagen) und ging dann zur Touristeninformation, um zu erfragen, wo der Bus losführe. Man sagte uns, er habe Verspätung, käme erst um 11:00 oder 13:00 Uhr. Diese Warterei und Ungewissheit ließ uns zu dem Entschluss kommen, die Snæfellsnes-Umrundung dann doch fallen zu lassen und stattdessen die Ringstraße nach Nordosten Richtung Akureyri zu nehmen. Etwas enttäuscht war ich schon, aber alles andere hatte keinen Sinn, denn wir hatten noch viel vor uns.

So strampelten wir aus Borganes heraus durch eine schöne, teilweise sehr grüne und sogar bewaldete Region, die viele Reykjavíkaner mit ihren kleinen Häuschen als "Sommerresidenz" in den Ferien bevorzugten [1].

Mit Gegenwind ging es auf der 1 weiter zu einem Aussichtspunkt, von dem man einen wunderschönen Rundumblick auf die Berge und Gletscher hatte [2]. Der nächste Stopp lag in Varmaland, einem Hotel, Campingplatz und Schwimmbad. Letzteres war der eigentliche Grund unseres Aufenthalts. Eine heiße Dusche, ein paar Bahnen schwimmen und ein heißer Hot-Tub standen bei uns wie immer ganz hoch im Kurs.

Nun fuhren wir durch ein Lavafeld nach Hreðavatnskáli [3], wo wir übernachten wollten. Allerdings war kein offizieller Zeltplatz vorzufinden, lediglich ein kleiner Laden mit angeschlossenem Lokal. 500 Meter weiter stand eine Informationstafel für Touristen und ein Rastplatz, von dem auch ein Wanderweg zum nahegelegenen Krater Grábrok führte.

Ich sah auf einer kleinen Grasfläche zufällig ein Zelt und dachte mir, wir könnten unseres einfach dazu stellen. Ich fragte die Camperinnen also, ob wir hier neben ihnen zelten könnten, worauf sie etwas unfreundlich entgegneten, dass dies Privatbesitz sei und man das Einverständnis des Besitzers bräuchte. Zurück zur Servicestation gefahren, fragte ich um Erlaubnis. "Für eine Nacht ist das in Ordnung". Also bauten wir unter recht grimmigen Blicken der Outdoor-Damen unser Zelt auf.

Hreðavatnskáli

Peter haute sich in den Schlafsack und schlief eine Runde, während ich eine kurze Wanderung zum Krater unternahm. Der war nicht sonderlich spektakulär, wohl aber die herrliche Aussicht. Man hatte bei wolkenlosem Himmel freien Blick auf das grüne Tal und die es umschließenden Berge [4].

Da wir in einem Naturschutzgebiet waren, wollte wir nicht selber kochen, sondern aßen stattdessen im benachbarten Lokal. Gesagt, getan: zwei fette Hamburger mit Pommes und Tuborg.

Als wir zu unserer Schlafstätte zurückkehrten, sahen wir uns umringt von zahlreichen weiteren Zelten einiger Isländer, die hier scheinbar eine Party feierten, bzw. jetzt schon einmal "vorglühten", um dann in der Servicestation ein Live-Pop-Konzert zu besuchen, das Event dieses Wochenendes in der Gegend. Die Teenager tranken, was das Zeug hielt und boten uns natürlich auch etwas an: Thule (Mais-Bier), Rum, Wodka, Selbstgemixtes, Tabak, den man sich unter die Oberlippe schmieren sollte etc. Ich unterhielt mich ca. zwei Stunden angeregt mit den Jungs und Mädels aus Stykkishólmur, einem Ort an der Nordküste Snæfellsnes', aber dann hatte ich genug und verkroch mich ins Zelt. Natürlich ließ man mich nicht schlafen, aber um 23:00 Uhr verließen sie uns ja sowieso, um zum Konzert zu gehen. Peter kam dann ins Zelt, aber ich konnte wegen seines lauten Schnarchens nicht schlafen. Um 5:00 Uhr morgens kamen die Isländer zurück, um die Party auf ein neues aufleben zu lassen. Der Krach ging von vorne los. Ich hatte diese Nacht kein Auge zugetan.

Um noch eines zu erwähnen: Ich hatte überlegt, Sonnencreme mitzunehmen, mich aber dagegen entschieden. Ein Fehler, wie sich herausstellte. Die seit drei Tagen fast ununterbrochen scheinende Sonne hatte besonders auf meinen Ohren und der Nase Spuren hinterlassen. Auch Peter litt darunter.


6. Tag: Borganes 8. Tag: Hreðavatnskáli - Sæberg