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© by Jens Sieckmann |
5. Tag: 28.06.2001, Þingvellir - BorganesAlle Bilder dieses Tages auf einen Blick.
Bei fünf Grad und bedecktem Himmel machten wir uns auf, um die vermutlich schwerste Etappe der gesamten Island-Tour zu bewältigen. Von Þingvellir ins Hochland über den "Ochsenrücken" Uxahryggir zur Küstenstadt Borganes. Die ersten Kilometer waren einfach auf Asphalt zurückzulegen. Auch die Schotterstraße danach radelte sich für einige Zeit relativ bequem, bis wir die erste Steigung [1] zu Gesicht bekamen. Die monströsen 16 bis 18 Prozent waren selbst im ersten Gang nur unter äußersten Anstrengungen zu bewältigen. Trotz des Gepäcks drehte mein Hinterrad ein paar Mal im Schotter durch. Die mittlerweile eifrig scheinende Sonne ließ den Schweiß in die Augen fließen. Aber nach diesem ersten großen Hindernis wurden wir mit einer fantastischen Aussicht auf einen Kratersee [2] und das ihn umgebende Stein- und Geröllmeer belohnt. Nicht jedem mag diese vegetationslose Landschaft gefallen, aber in diesem Moment völliger Einsamkeit strahlte sie für mich eine ungemeine Faszination aus. Aber alle Qual war nur für einen Moment vergessen...
Die Sonne stand nun hoch am Himmel und brannte immer noch kräftig auf uns herab, als wir die zweite, noch üblere Steigung erklimmen mussten. Diese war nur in Schlangenlinien zu fahren, womit der Grad der Steigung etwas gemildert werden konnte. Eine Pause mit reiner Blockschokolade als Energielieferant gab uns die nötige Kraft, um das erste Zwischenziel Uxahryggir zu erreichen. Als wir dort ankamen, musste ich zunächst einen psychologischen Knick verkraften, weil sich die Etappe überraschenderweise um 15 Kilometer verlängerte. Im Reiseführer waren es bis Borganes 44 Kilometer. Die Beschilderung besagte aber, das es noch 59 Kilometer entfernt lag. Alles Klagen half natürlich nichts, aber meine Stimmung sank trotzdem etwas ab, vor allem, weil sich meine Achillessehne wieder stärker bemerkbar machte. Allerdings waren nur noch kleine Steigungen, hauptsächlich gerade Strecke und sogar längere Abfahrten zu erwarten. Nach ungefähr 20 Kilometern trafen wir einen Deutschen, der auch auf dieser Strecke unterwegs war. Er war bereits zwei Monate auf Island und hatte unter anderem schon die Westfjorde und den Süden bereist. Mich beeindruckte, dass er nur mit einem Tourenrad, in T-Shirt und kurzer Radlerhose fuhr. Es schien zwar die Sonne, aber der Wind war kalt. Er konnte uns viel Interessantes von und über Island berichten. So dauerte die Unterhaltung sicherlich 20 Minuten, bevor wir uns mit einem "Gute Reise" verabschiedeten.
Die weitere Etappe verlief relativ harmlos auf Schotter, hügelig, aber im Durchschnitt bergab [3]. Nach einiger Zeit machte ein Stein Peters Hinterrad den Garaus. Fix ein neuer Schlauch rein - denn geflickt wird später - und weiter. Nun mussten wir auf die Straße 52 abbiegen, auf der Straßenarbeiten durchgeführt wurden, was diese leider wegen faustgroßer Steine (fast) unpassierbar machte. Nach weiteren vier Kilometern gabelte sich der Weg plötzlich ohne jegliches Hinweisschild. Wir hielten ein Auto an und fragten nach dem Weg. Es hieß, dass beide Wege nach Borganes führten, aber der rechte teilweise gesperrt sei. Also nahmen wir den linken, ohne dass die Straßenqualität zunächst besser wurde. Dennoch machte das Radfahren Spaß, weil die fantastische Berglandschaft [4, 5] zur Linken allen Frust fortspülte. Bei Kilometer 70 stießen wir dann aber endlich auf die Asphaltstraße, die nach Borganes führte. Eine nette Isländerin auf einem Pferd wies noch einmal auf unsere Frage hin in die einzuschlagende Richtung. 12 Kilometer Hochgeschwindigkeitsrennen mit etwas Rückenwind endeten auf dem Zeltplatz von Borganes [6]. Wir kauften etwas Essen ein und besuchten dann das moderne Schwimmbad mit großem Becken, einer Rutsche und mehreren Hot-Tubs. Für eine Stadt mit knapp 2000 Einwohnern eine sicherlich ungewöhnliche Einrichtung. Gerade die heißen Whirlpools taten dem geschundenen Körper außerordentlich gut. Es war schon 20:00 Uhr, als wir bei ein paar läbbrigen (2,25 % Alkohol) isländischen Bieren (Thule) unser Abendessen zubereiteten.
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