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© by Jens Sieckmann

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3. Tag: 26.06.2001, Mosfellsbær - Geysir

Alle Bilder dieses Tages auf einen Blick.


Beschreibung: Radetappe; Heißes Island, Þingvellir, Geysir
Strecke: Mosfellsbær - Þingvellir - Laugarvatn - Geysir
Kilometer: 88
Schnitt: 15,4 km/h
Höhepunkte: Nebelfahrt nach Þingvellir, Hagelschauer vor Geysir, Geothermalpark Geysir

Schon um 7:00 Uhr morgens begann heute für uns der Tag. Ein kurzes Salami-Brot-Frühstück, und schon schwangen wir uns auf die Sättel. Nach einigen Kilometern auf der Ringstraße zweigte die Straße Nr. 36 nach Osten Richtung Þingvellir ab, dem Zwischenziel unserer heutigen Etappe.

Es war noch sehr nebelig, und mit zunehmender Höhe wurde es immer diesiger. Dichte Dunstschleier ließen den vor uns liegenden Weg nur über 30 Meter einsehen [1]. Als wir den Berg überwunden hatten, hörte plötzlich die Asphaltstrecke auf. Extra für uns hatte man für ca. zehn Kilometer die Straße aufgerissen, damit unsere Fahrräder auf dem steinigen Schotterweg ihre erste Belastungsprobe bestehen konnten. Teils schoben, teils fuhren wir, stets mit Obacht auf uns und die Fahrräder. Auf solchen Wegen passiert es schnell, dass man ein Schlagloch übersieht oder von einem Stein getroffen wird, die ein vorbeifahrendes Auto hochwirft.

Ohne besondere Ereignisse erreichten wir den Þingvallatn [2, 3], den See an der historischen Stätte Þingvellir [4], wo im Jahr 930 Islands erste Nationalversammlung stattfand. Dort trafen wir zwei Deutsche, die mit einem Leihwagen unterwegs waren. Sie boten uns großzügigerweise ein paar energiespendende Schokoladenkekse an. Die Abfahrt genossen wir mit satten 50 km/h. Wir bogen zur beeindruckenden Almannagjá-Schlucht [5] ab, die sich über mehrere Kilometer [6] durch den Þingvellir-Nationalpark [7] erstreckt. Von hier sprachen einst die Parlamentsvorsitzenden Islands zum versammelten Volk. Ein radfahrender Holländer war hier schon seit längerer Zeit unterwegs. Er gab uns einige Tipps für den noch folgenden Streckenverlauf.

Wir durchfuhren - japanischen Touristen ausweichend - die Schlucht und radelten entlang der Nordseite des Sees weiter Richtung Osten. Diese direkt am Þingvallatn vorbeiführende Straße war ein paar Kilometer kürzer und schöner als die Hauptstraße.

Zurück auf der 36 hatte ich beinahe die falsche Richtung nach Selfoss eingeschlagen, aber Peter wies mich zum Glück auf das Schild hin, auf dem wir erkennen konnten, dass wir die entgegengesetzte Richtung einschlagen mussten.

Nach dem Abzweig zur Straße 365 nach Laugarvatn wurde die Strecke zunehmend schlechter und hügeliger [8]. Die wellblechartige Buckelpiste schüttelte uns und die Fahrräder gleichermaßen durch [9]. Peters Lowrider, bzw. die Schlauchschelle, die diesen festhielt, hielt der Belastung nun doch nicht mehr stand. Um sie vor dem Rutschen zu bewahren, konnten zusätzliche Kabelbinder als Halterungen erfolgreich eingesetzt werden. Während dieser Aktion begegneten wir zwei deutschen Radlern in kurzen Hosen. Sie kamen vom Geysir und strebten nun Þingvellir an.

Þingvellir

Die Schotterstraße endete kurz vor Laugarvatn. Auf der Abfahrt dorthin, ich fuhr hinter Peter, gab es ein metallisches Geräusch, gefolgt von einer Acht in Peters Hinterrad. Es stellte sich heraus, dass ein Speichennippel einer seiner hinteren Speichen auf der Zahnkranzseite gebrochen war. Also das Hinterrad raus und das Ritzelpaket ab. Hier tauchte das erste Problem auf, weil die Ritzel bombenfest auf der Achse saßen. Mit vereinten Kräften schafften wir aber auch das, wechselten die Speiche aus und zentrierten in Fummelarbeit das Rad neu.

Es waren noch ungefähr 30 Kilometer bis zu unserem Ziel, Geysir, zurückzulegen. Nach 15 Kilometern gerieten wir in dichte Bewölkung. Als ich gerade die Regenhose und die Gamaschen anziehen wollte, fing es regelrecht an zu schütten. Vom unberechenbaren Wetter erlebten wir kurz vor Geysir eine ganz besondere Facette: Hagel! Stürmischer Wind blies uns von links zur Fahrbahnmitte, so dass man sich wie in einer steilen Kurve schräg legen musste, um nicht im Straßengraben zu landen. Es war weit und breit keine Unterstellmöglichkeit zu erkennen. Wegen der zu hastig über die Schuhe gezogenen Gamaschen füllten sich erstere in wenigen Sekunden mit kaltem Wasser. Jedes der auf die steifen Hände prasselnden Hagelkörner kam einem Nadelstich gleich. Das Ganze war um so trauriger mitanzuschauen, weil rings um der direkt über unseren Köpfen befindlichen schwarzen, unheilbringenden Wolke, der Himmel in schönem Blau erstrahlte.

Ohne Regen, aber vollkommen durchnässt, kamen wir schließlich in Geysir an, dem Ort, mit den berühmten heißen und speienden Quellen.

Nach dem leckeren Abendessen schauten wir uns abends den geothermischen Park an. Geysir selber [10], der dieser Stätte seinen Namen verlieh, war seit vielen Jahrzehnten inaktiv, spuckt aber unregelmäßig seit dem Jahr 2000 wieder heißes Wasser. Sein kleiner Bruder, Strokkur [11], ist regelmäßiger am Werk. Er speit alle 10-15 Minuten eine bis zu 35 Meter hohe Wasserfontäne in den Himmel. In der Abendstimmung fast ohne Touristen konnte man die Ruhe dieses einzigartigen Naturschauspiels genießen [12].


2. Tag: Keflavík - Mosfellsbær 4. Tag: Geysir - Þingvellir