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© by Jens Sieckmann |
Der Erft-Radweg von Holzmühlheim bis nach Neuss ist landschaftlich keine Offenbarung. Abgesehen vom attraktiven Anfangsabschnitt in der hügeligen Eifel um Bad Münstereifel gibt es noch ein paar schöne Abschnitte durch Wald hinter Bedburg. Viele Kilometer führen entlang des begradigten Flusses relativ langweilig parallel zu bewirtschafteten Feldern oder schmalen Waldstreifen. Der Fluss ist dabei meist in unmittelbarer Nähe.
Im späteren Verlauf ab Grevenbroich ist Industrie allgegenwärtig, vornehmlich die Stromerzeugende. Kohlekraftwerke der RWE beherrschen mit ihren riesigen Schornsteinen das Umland. Man fährt durch Umsiedlungsgebiete die für Bergarbeiterfamilien errichtet wurden, um den damaligen Tagebau Garzweiler auszuweiten. Umspannwerke liegen am Wegesrand und Förderbänder bzw. -brücken werden unterquert. Ein Stück Kultur-(geschichte) dieser Region. Durch die Städte verläuft der Radweg entlang der Hauptstraßen oder manchmal - um diesen zu entgehen - umständlich im Zickzack durch Wohngebiete. Abseits der bebauten Gebiete führt er häufig auf Schotterwegen durch Wald oder auf Asphalt nahe den kanalähnlichen Abschnitten der Erft. Die Beschilderung ist insgesamt gut. Die bekannten regionalen Schilder in roter Schrift auf weißem Grund weisen die nächsten Orte und sind um die Themen- bzw. Flussroutenschilder ergänzt. Von diesen gibt es an einigen Stellen gleich vier: Erft-Radweg, Kaiser-Route, Wasserburgen-Route und der Energiepfad. Hier wird es dann auch mal etwas unübersichtlich.
Meine Tour begann in Blankenheim-Wald, 15 Kilometer von der Erftquelle entfernt. Ich kann diesen Ort als Startpunkt sehr empfehlen, weil er einerseits an der Bahnlinie liegt und man andererseits nicht das schöne Eifelstädtchen Blankenheim ausspart. Dort befinden sich nicht nur die Ahrquelle und das Eifelmuseum, sondern auch wunderschöne Fachwerkhäuser und eine Burg. Auch Bad Münstereifel ist einen längeren Zwischenstopp wert, wogegen andere Städte wie Kerpen, Euskirchen, Weilerswist und Grevenbroich ohne längeren Halt durchquert werden können. Bergheim und Neuss haben mir persönlich etwas besser gefallen. Die touristisch attraktive Eifel und die relativ dicht besiedelte Kölner Bucht lassen so dem Radfahrer auch genügend Auswahl für eine geeignete Unterkunft in fast allen Kategorien. Von den von mir bevorzugten günstigen Privatzimmern gibt es in jeder Stadt mehrere. Das Highlight des Erft-Radwegs waren für mich die Wasserburgen zwischen Euskirchen und Grevenbroich. Wenn sie auch nicht immer am Fluss liegen, so lohnen die Abstecher doch immer. Ob die kleine Kleeburg in Weidesheim, das majestätische Schloss Gracht in Liblar mit seiner weitläufigen Parkanlage, die RWE-Infozentrale Paffendorf oder die wehrhafte Burg Hülchrath. Die ehemaligen Residenzen hiesiger Regenten oder Geistlicher - heute oftmals in Privatbesitz und liebevoll restauriert - sind fast allesamt Zeugen meisterlicher Baukunst. In solcher Dichte sind sie in dieser Region weltweit einmalig. Ohne die Wasserburgen hätte sich der Erft-Radweg kaum gelohnt. So aber bleibt er eine empfehlenswerte Radroute für ein Wochenende, die gut mit dem Zug erreichbar ist, wenige Höhenmeter aufweist und meist auf verkehrsarmen Wegen verläuft. Mitte September waren noch eine Menge Radler unterwegs, von denen aber sicher die meisten die Erft nur in Teilabschnitten fuhren. |
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