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© by Jens Sieckmann |
TourismusChile ist ein beliebtes Reiseland, das von seinen landschaftlichen Reizen lebt. Im liberalen Klima und der offenen Kultur fühlt sich vor allem der Backpacker wohl. Aber auch die Ansprüche des Luxustouristen werden immer häufiger erfüllt. Die Fünf-Sterne-Häuser "Explora" in der Atacama-Wüste und im Torres del Paine oder die Termas de Puyuhuapi, die nur per Boot erreichbar sind, finden immer regeren Zulauf. Der Markt wächst und es wird weiter gebaut. Natürlich werden von unzähligen Reiseveranstaltern organisierte Gruppenreisen angeboten, doch unseren Bekanntschaften während des Urlaubs nach zu urteilen, waren die meisten in Eigenregie unterwegs. Das ist auch nicht weiter verwunderlich. So ist doch alles vorhanden oder leicht zu besorgen, was der Tourist benötigt. Das Unterkunftsnetz ist außer im Norden, der sowieso dünn besiedelt ist, dicht geknüpft und für jeden Geldbeutel ausgelegt. Das fast immer aufgrund der großen Distanzen notwendige Reisen innerhalb des Landes ist unkompliziert und verhältnismäßig billig. Inlandsflüge bedienen knapp zehn Destinationen, private und zuverlässige Busorganisationen durchkreuzen das ganze Land (weniger im Norden und Patagonien, viel im kleinen Süden) und auch Mietwagen lassen sich in vielen Städten besorgen. Innerhalb einiger Städte verkehren Nahverkehrsbusse und fast überall begegnet man den schwarzen Taxis, von denen es auch eine Überland-Variante (Colectivos) gibt, die zwischen zwei Orten ohne festen Zeitplan pendelt.
Wer wie wir einen Leihwagen zur Verfügung hatte, sollte sich allerdings nicht wundern, dass die Straßen (die Qualität der Ruta 5 ist vorbildlich, muss aber bezahlt werden) außerhalb der Städte und Touristenregionen schon mal richtig ruppig werden können. Die Pisten im Gebiet der Sieben Seen (Los Siete Lagos) sind eher für Geländewagen ausgelegt. Da schlägt schon mal der ein oder andere Stein lautstark gegen den Unterboden. Reisende, die nicht in den Sommermonaten (Dezember bis März) unterwegs sind und über Pässe hoch hinaus wollen, sollten sich in den Touristeninformationen oder den Nationalparkverwaltungen über die Straßenverhältnisse aufklären lassen. In Patagonien verschwinden fast vollkommen die geteerten Straßen und machen derben Schotterwegen Platz. Für diejenigen, die nicht völlig vorgeplant nach Chile fahren und dennoch mal einen (mehrtägigen) Ausflug machen oder sich einfach nur umfassend über bestimmte Regionen informieren wollen, sind die staatlichen (Sernatur) oder lokalen Touristenbüros eine gute Adresse. Unterkunftsverzeichnisse, Restauranttipps, Karten u.v.m. liegen aus und können mitgenommen werden. Kleine Reisebüros bzw. Reiseveranstalter organisieren Wanderungen, Vulkanbesteigungen, Kajakfahrten, Raftingtouren oder Ausritte und lassen dabei gerne auch individuelle Wünsche mit einfließen. Der Outdoorer wird auf jeden Fall auf seine Kosten kommen. Diese Masse an Naturaktivitäten findet man höchstens noch in Kanada und Neuseeland. Auch eventuelle Ausrüstung wie Kleidung, Rucksäcke, Zelte, Kocher, Brennstoff etc. lässt sich relativ leicht in den Städten kaufen oder (seltener) ausleihen. Während im Norden die Nationalparks noch relativ verhaltene Besucherzahlen vorweisen, nehmen die Touristenströme im Torres del Paine-Nationalpark überhand. Die Unterkünfte sind bereits oft Monate im Voraus ausgebucht. Planungen weiterer Unterkünfte sind mir nicht bekannt und sind auch keinesfalls wünschenswert. Schon jetzt nimmt die Natur durch den großen Andrang schaden. Über weitere Kontrollen, Verhaltensregelen und Reglementierungen wird mehr als laut nachgedacht, gerade in Anbetracht solcher Vorfälle wie im Februar 2004, wo ein Tourist mit seinem Gaskocher (abseits des Weges) einen Großbrand verursachte und 11.000 Hektar Parklandschaft vernichtete. Der ewige Konflikt zwischen Ökonomie und Ökologie wird weiterhin auch in der chilenischen Tourismusindustrie genug Gesprächsstoff bieten.
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