|
||||||||||
|
Home |
Die Tour |
Reisebericht |
Erfahrungen |
Bilder |
Sonstiges |
Links
© by Jens Sieckmann |
MenschenAuf einer Individualreise gelangt man zwangsläufig immer mit Menschen in Kontakt. Im Hotel, im Restaurant oder eine Frage nach dem Weg. Meinen Erinnerungen nach waren die Einheimischen hilfsbereit, manchmal aber auch etwas kühl und ziemlich "abgeklärt" im Umgang mit Reisenden. Das ist kein Wunder, da viele mit Touristen ihr Geld verdienen (müssen). Wir hörten, dass das in Argentinien etwas anders sei. Die Stimmung wäre etwas ausgelassener, die Menschen freundlicher. Ich kann die Situation in Argentinien nicht beurteilen, weil wir dort nur einen Tag verweilten und die Leute nicht kennen lernten. Ich hätte mir gerne mal ein Lächeln mehr in Chile gewünscht. Die Kellner im Restaurant waren immer schnell, aber völlig ohne Gesichtsausdruck. In unserer Pension in Puerto Natales (Residencial Danicar) - die schlechteste auf unserer Reise - hatte ich manchmal das Gefühl, dass sie neben dem Hotelbetrieb auch noch ein anderes Gewerbe betreibt. Ganz anders war die junge Dame im Touristenbüro in Coñaripe im Sieben Seen-Gebiet. Sie wollte uns gar nicht gehen lassen, erzählte mehr aus ihrem Leben als von den touristischen Attraktionen in der Umgebung. Schließlich drückte sie uns ein halbes Kilo Prospektmaterial in die Hand.
Im letzten Abschnitt beschrieb ich die europäisch geprägte Kultur. Sie wirkt sich natürlich auf die Menschen aus, bzw. wird von diesen gelebt. Insofern trafen wir eher auf die spanische statt lateinamerikanische Lebensweise. In den Städten fiel mir gleich zu Anfang eine witzige Sache auf. An jeder Straßenecke standen Schilder mit Präsidentschafts- und Senatorenkandidaten oder Abgeordneten. Scheinbar war gerade Wahlkampf. Wirkten die Gesichter noch ganz normal, waren die Namen schon außergewöhnlicher: Carlos Becker und Roberto Kuschel standen in Puerto Montt zur Wahl. Später begegneten uns dann mit Harry Jürgensen, Bianchi, Ivanovic und Alvarez weitere Beispiele aus dem kulturellen Schmelztiegel Chiles. Indianische Volksvertreter suchte ich vergebens. Soziale Unruhen waren in Chile nie unbekannt. Von der Unterdrückung der Indianer über die Bauernproteste Anfang der 70er oder gar die Konzentrationslager Pinochets. Zwar hat Chile mit dem Wirtschaftswachstum der letzten zwei Jahrzehnte die Bildung einer breiten Mittelschicht erreicht, aber der Wohlstand ist immer noch ungleich verteilt. Sichtbare Armut begegnete uns in Form von Obdachlosen und Bettlern nur in Puerto Montt, doch ließen auch die Randbezirke anderer Städte auf bescheidene Lebensverhältnisse schließen. Auf unserer Trekkingtour durch den Torres del Paine-Nationalpark begegneten uns viel mehr Ausländer als Einheimische. Mit ihnen kamen wir zwangsläufig ins Gespräch, als wir uns in den Refugios von den täglichen Wanderstrapazen erholten. Wir trafen Franzosen, Deutsche, Holländer, Engländer, Amerikaner, Österreicher, Belgier und Italiener. Einige trekkten wie wir zum ersten Mal, andere waren die geborenen Wanderer und dementsprechend erfahren. Ein kanadisches Pärchen aus Quebec fand sich durch die "Menschenmassen" im Park regelrecht bedroht und zogen es lieber vor, fünf Tage durch Feuerland zu spazieren, ohne eine Menschenseele anzutreffen. So verschieden waren halt die Geschmäcker.
|
|||||||||