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Kultur

Mercado Municipal in Temuco

Wer von Südamerika träumt, der denkt meistens an die dortige Kultur. Peru und Bolivien sind nach diesem Maßstab die ersten Ziele. Chile wird einem dabei kaum einfallen. Märkte mit buntem Handgewebten, Wollmützen und Ponchos, das rege Treiben der (einheimischen) Besucher, all das sucht man in Chile vergebens. Indianische Kultur ist kaum vorhanden und wenn doch, dann wird sie meist nur wegen der Touristen "ausgeübt". Wen das nicht stört, der findet in der Umgebung von Temuco wahrscheinlich noch den besten Anlaufpunkt. Der dortige Mercado Municipal und die Mapuche-Siedlung Nueva Imperial bieten Kunsthandwerk aus Holz, selbst gefertigte Instrumente und Kleidung.

Das alles bedeutet nicht, dass Chile kulturell völlig uninteressant ist. Nur wer mit falschen Erwartungen anreist, wird enttäuscht werden. Klaus Bednarz lieferte in seiner Dokumentation "Am Ende der Welt" (Film und Buch) eine anschauliche Darstellung chilenischer Alltags- und aussterbender Indio-Kultur. Wer spanisch versteht, kann auf den Estancias in Patagonien einen Einblick in die Schafzucht gewinnen oder den Gauchos beim Einfangen der Rinder zusehen.

Denkmal in Punta Arenas

Vom Kolonialerbe der Spanier, den prachtvollen Kathedralen und eleganten Häusern, war außer in Santiago kaum etwas zu sehen. Die Städte im Seengebiet und in Patagonien waren in der Regel kaum sehenswürdig und erst recht nicht schön. Schachbrettartig angelegt, befanden sich im Zentrum Geschäfte, Restaurants, Reiseagenturen und Unterkünfte. Hübsch anzuschauen, aber am wenigsten südamerikanisch, stellten sich dabei die Brennpunkte des Tourismus wie Pucon, Villarica, Puerto Natales oder El Calafate dar. Alles andere als ein kultureller Höhepunkt, aber eine gute Möglichkeit, etwas zu erleben oder seine Vorräte aufzufüllen.

Die Außenbezirke der anderen Städte wirkten meist etwas schäbiger und heruntergekommener. An den Kreuzungen verknoteten sich die Stromleitungen der Häuser zu einem Knäuel. An einigen Stellen trat diese etwas triste Gesichtslosigkeit aber in den Hintergrund. Frutillar (Bajo) am Lago Llanquihue beispielsweise war ein hübsches Dörfchen mit Uferpromenade und einer pittoresken Holzhausarchitektur, die wir mit einem ruhigen Spaziergang erschließen konnten. Puerto Montt war alles andere als bekannt für seine Schönheit. Dennoch hatte es auf mich einen besonderen Reiz. Etwas verfallen war es aber eben nicht so gleichförmig aufgebaut wie die anderen Städte. An der Küste warteten Restaurants mit fantastischem Lachs auf Besucher und die Straße zum "lebensechten" und authentischen Hafenviertel Angelmo wurde von bunten Ständen des Handwerkmarktes gesäumt.

Vieles in Chile wirkte europäisch bzw. spanisch: Geschäfte, Restaurants und auch die professionelle Organisation z.B. in den Nationalparks, allen voran Torres del Paine. Korruption ist kaum bekannt (Platz 20 von 145 Staaten laut Transparency International im Jahre 2004). Das Land ist durch seine Einwandererkultur gekennzeichnet. So fanden wir in jeder größeren Stadt im Seengebiet einen Club Alemán, in dem jeder speisen konnte, wo aber auch im kleineren Kreise das Deutschtum gepflegt wurde.


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