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© by Jens Sieckmann |
Essen und TrinkenDas chilenische Angebot an Essen im Supermarkt ist relativ groß. Ich kann keine Vergleiche zu anderen südamerikanischen Ländern ziehen, aber in Gegenüberstellung zu spanischen Märkten ist der Unterschied nicht so groß. Kartoffeln (weniger als bei uns), Reis und Nudeln und vor allem Fleisch sind in ausreichenden Mengen und Varianten vorzufinden. Das Obst und Gemüse, das wir einkauften, war subjektiv von schlechterer Qualität als in Deutschland. Für meinen Geschmack waren die Äpfel viel zu süß und mehlig und die Bananen überreif.
Die für den Aktivurlauber nicht unwichtigen Kekse gab es zuhauf, lecker und Energie spendend, salzig und süß, mit oder ohne Schokolade. Die schon erwartete mangelnde Auswahl an Brot beschränkte sich auf Weißbrot in ziemlich vielen Formen. Am häufigsten fanden wir das Brötchen in flacher Zylinderform mit fester Konsistenz. In großen Supermärkten entdeckten wir auch Vollkorn-Weißbrot, das aber so labberig war, dass es spätestens beim zweiten Anfassen in Stücke zerfiel. Auch der Saft war für deutsche Verhältnisse etwas gewöhnungsbedürftig. Wir fanden nur die aus Konzentraten hergestellten Produkte ohne schmackhaften Fruchtanteil, die hier seltsamerweise "Nectar" genannt wurde. Viel überraschter waren wir von der unglaublichen Auswahl an Süßwaren, hauptsächlich Kuchen und Torten. Im Seengebiet quollen die Theken vor Kalorien regelrecht über. Sogar Schweinohren waren im Angebot. Auf dem ersten Inlandsflug machte ich meine Lieblingssüßigkeit aus (selbstverständlich hinter den unerreichten isländischen Zimtkeksen mit Schokoladenglasur): Alfajor, ein relativ weicher Keks mit Cremefüllung uns Schokoladenüberzug oder Zuckerguss.
Als ideales Lunchpaket wählten wir frühzeitig und übereinstimmend Empanadas. Das sind Taschen aus Blätter- oder anderem (manchmal frittiertem) Teig, gefüllt mit Hühnchen- oder Schweinfleisch, Schinken, Käse oder Gemüse. Praktisch, günstig, traumhaft lecker und immer etwas anders. Nahezu jede Panaderia verkaufte sie selbst gemacht in verschiedenen Varianten, auch süß und frittiert mit Puderzucker ohne Füllung, ähnlich unseren Krapfen. Eine bittere Enttäuschung erlebte ich, als ich voller Vorfreude auf der Speisekarte eines Restaurants ein Paulaner entdeckte und es natürlich prompt bestellte. Es war allerdings kein schaumiges Weizenbier, sondern einfaches Lagerbier. Danach trank ich des Öfteren die einheimischen Erzeugnisse Cristal oder Austral, die angeblich nach deutschem Reinheitsgebot gebraut wurden und akzeptabel schmeckten. Unsere Restaurantbesuche waren wie fast alles in Chile im Vergleich zu Deutschland (aber nicht bzgl. anderer Südamerikastaaten) sehr preiswert. Für 4.000 Peso (6,40 Euro) war immer ein Gericht zu haben, wobei die Preise mit der Qualität des Essens und dem Ambiente des Restaurants selten einher zu gehen schienen. Den besten Lachs aßen wir im "Doña Mila" im Hafenviertel von Puerto Montt für 2.000 Peso. Das äußere Erscheinungsbild trog uns auch einige Male. So würde man hinter dem schäbigen Schild "Sotito's Bar" in Punta Arenas niemals ein feines Lokal mit uniformierter Bedienung vermuten. Eine Spezialität, die uns im Restaurant immer wieder begegnete, war das "Chancho en pierdra", eine Beilage aus Tomaten, Zwiebeln, Petersilie und Chili. Letzteres wurde mal mehr, mal weniger intensiv eingesetzt. Man streicht es auf (frittiertes) Brot und dient als Zwischenmahlzeit. Ohne Chili heißt das ganze dann "Ensalada Chilena" und ist als Beilage zu Fisch oder Fleisch gedacht.
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