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© by Jens Sieckmann

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16. Tag, 27.11.: Torres del Paine

Strecke:Refugio Cuernos - Campamento Italiano - Refugio Pehoe - Refugio Grey (zu Fuß)
Erlebnisse:Lago Grey, Grey-Gletscher
Kosten:ca. 45 Euro (Übernachtung, Essen)
Wetter:

So weit die Füße tragen

Alle Bilder dieses Tages auf einen Blick.

Zur längsten und damit wohl anstrengendsten Etappe regnete es sich kräftig ein. Bereits um 8:00 Uhr verließen wir das Refugio in voller Regenmontur gen Westen. Dem altbekannten Weg zum Campamento Italiano schenkten wir keinerlei Aufmerksamkeit. Von dort schlugen wir den angeblich leichten Weg nach links über den Río del Frances nach Pehoe ein. Allerdings war der Pfad vom Regen dermaßen aufgeweicht, dass man manches mal Ausweichmanöver durchführen musste.

Grey-Gletscher

Nach einer Biegung sahen wir Häuser am Lago Pehoe. Wir dachten zuerst, dass die kleine Hütte das Refugio wäre, aber es stellte sich heraus, dass es das große moderne Gebäude daneben war und wahren Luxus offerierte. So sollten wir den Hinweisschildern nach doch bitte nicht unsere mitgebrachten Speisen dort verzehren, sondern uns lieber in die "Campingecke" verdrücken. Egal, unser Ziel war es ja sowieso nicht.

Ein ordentlicher Marsch zum Refugio Grey stand uns noch bevor, den wir nach halbstündiger Pause antraten. Die Regenwolken ließen alles ziemlich trist aussehen, doch entdeckte ich ein paar helle Risse am Himmel. Noch sahen wir aus wie die Schweine, aber mit dem langsam nachlassenden Regen trockneten wir ein wenig und fühlten uns so auch gleich wohler.

Wir liefen durch eine Senke und dann hinauf über den Lago Grey. Die Aussicht war schön. Man konnte schon einige Eisblöcke auf dem Wasser schwimmen sehen, obwohl der Gletscher noch zehn Kilometer entfernt war [1]. Ich schöpfte wieder etwas Motivation, denn bisher hatte mich das Wetter und die körperliche Anstrengung auch psychisch etwas belastet.

Sonnenuntergang am Lago Grey

Schon auf dem nächsten Hügel konnten wir den ganzen Gletscher von weitem bewundern [2]. Wenn ein Sonnenstrahl mal einen Weg nach unten fand, traf er silber-grau auf die lange Gletscherzunge. Als wir die nächste Kuppe überwanden, kamen uns zwei Touristen entgegen und zeigten hektisch hinter uns. Ich fragte mich, was denn da Besonderes sei. Als ich mich umdrehte, rauschte ein Kondor 20 Meter entfernt im Tiefflug am Fels vorbei und verschwand dann weit hinter dem Berghang. So schnell konnte auch Stéphanie ihre Digitalkamera nicht startklar machen. Alles geschah innerhalb von fünf Sekunden.

Der Weg zum Gletscher war länger als erwartet. Es ging durch Wald, an Felshängen hinunter und an Wiesen vorbei. Endlich kam ein Schild in Sicht: "Refugio 5 min, Mirador 10 min". Wir schlugen zuerst den Weg zum Mirador Grey ein. Nach kurzer Zeit erreichten wir die Gletscherzunge, die wir besonders gut von einem kleinen Felshügel aus beobachten konnten. Wie ein ausgefranster Teppich lag sie auf der Wasseroberfläche und reichte bis zum Horizont [3]. Ein weiterer Höhepunkt unseres Urlaubs.

Das Refugio Grey [4] war das am schlechtesten ausgestattete von allen. Kein Herd zum Kochen, Duschen, die unabhängig von der Armaturenregelung nur eisiges oder brühendes Wasser heraus ließen und nicht gerade ordentliche Toiletten, hinterließen bei mir einen etwas unfreundlichen Eindruck. Dennoch genügte es unseren Ansprüchen. Es trumpfte mit seiner fantastischen Lage direkt am See auf, den Gletscher in Sichtweite. Stéphanies Idee, draußen zu essen, war goldrichtig [5]. Die letzten Sonnenstrahlen des Tages fielen auf die Wasseroberfläche und ließen das Steilufer aufglühen [6]. Da schmeckten mir die Asia Nudeln gleich doppelt so gut.


15. Tag: Farbenpracht im Torres del Paine 17. Tag: Die Wetterfee lässt grüßen