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© by Jens Sieckmann |
4. Tag, 15.11.: Puerto Montt - Temuco
Auf der PanamericanaAlle Bilder dieses Tages auf einen Blick. Während unseres ausgiebigen Frühstücks trafen wir einen anderen Gast an. Eine junge Holländerin, die hier im Rahmen ihres Studiums als Ingenieurin arbeitete und nebenbei spanisch lernte. Sie gab uns den Rat, auf jeden Fall Chiloé zu besuchen, obwohl es dort fast immer regnete. Wir verließen das Haus und gingen bei leichtem Nieselregen die Straße hinunter, vorbei an den bunten Geschäftszeilen, wo alle 50 Meter mit dem Stichwort "Internet" geworben wurde. Beim Mietwagenverleiher Hertz erledigten wir die notwendigen Formalitäten und fuhren dann in unserem Toyota Yaris auf die Ruta 5 nach Norden. Rechts erhaschten wir einen kurzen Blick auf den Llanquihue-See, aber das Wetter spielte nicht mit. Leicht gewellte Wiesenlandschaft zog an uns vorüber. Mal ein Wäldchen, mal ein See, ein Fluss und ein paar Häuser; alles in allem ziemlich langweilig. Auf halber Strecke nach Temuco wurde es attraktiver, aber Chiles Traumlandschaften enthüllten sich uns hier noch nicht.
Auf der Ruta 5 passierten wir alle 70 Kilometer Mautstellen (à 1.500 Peso, ca. 2,40 Euro), die den guten Zustand der Straße erklärten. Bis zu unserem heutigen Ziel, Temuco, stand die Straße qualitativ den deutschen Autobahnen keineswegs nach. Den langen (und eigentlich doppelten) Weg nahmen wir deshalb in Kauf, weil eine Einwegmiete, also die Rückgabe des Autos an einem anderen Ort, für uns aus Kostengründen nicht in Frage kam. Temuco, die Hauptstadt Araukaniens und der Mapuche-Indianer, war schachbrettartig aufgebaut. Die meisten Straßen waren Einbahnstraßen, die aber nur an den kleinen Pfeilen der Straßenschilder als solche zu erkennen waren. Bis mir das auffiel, kamen mir die Autos schon einige Male zweispurig entgegen! Von echten Sehenswürdigkeiten kann man in Temuco nicht sprechen. Einzig der Mercado Municipal [1] nördlich der Haupteinkaufsstraßen war einen Besuch wert. Mapuche-Handwerk wurde hier preisgünstig und in sämtlichen Variationen angeboten. Stéphanie erwarb ein paar Küchenbehältnisse aus Holz. An der Avenida Alemania im Westen der Stadt stand eine schöne Kirche und ein paar alte Holzvillen [2], deren beste Zeit schon lange zurück lag. Das Araukanische Museum war wegen Umbaus leider geschlossen. Auf dem Rückwege kehrten wir in einem Restaurant ein und aßen paniertes Kotelett mit Kartoffelpüree und Salat. Stéphanie und ich tauschten ein wenig von unserem Essen, wie wir das öfter tun. Dabei schauten die Kellner etwas verwirrt drein und grinsten sich an. Unser Hotel Continental würde man als Vier-Sterne-Hotel einordnen, sähe man nur das Foyer und das Restaurant. Die Zimmer enttäuschten dann ein wenig, aber dafür hatten wir reichlich Platz. Zudem wurden wir von der vermeintlichen Inhaberin auf französisch angesprochen. Chapeau! Auf dem Flur unseres Zimmers hing ein quadratisches Schild. Es informierte darüber, dass Pablo Neruda, der bekannteste Dichter Chiles, immer, wenn er in Temuco war, hier übernachtete [3]. Nur einen Katzensprung entfernt befand sich ein Platz, ein winziger Rückzugsort für diejenigen, die vom nervenaufreibenden und stinkendem Straßenverkehr die Nase voll hatten. Ein Mini-Park mit Palmen, Rasen und einem Denkmal zu Ehren der Mapuche, die in dieser Gegend erbitternden Widerstand gegen die einfallenden Spanier leisteten [4]. Türkis-grauer Granit zeigte die Indianer in wehrhafter Pose.
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