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© by Jens Sieckmann

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Seit einigen Jahren pflegte ich eine gesunde Skepsis gegen Frankreich. Dies hat vornehmlich mit einigen schlechten Erfahrungen aus meinen vergangenen Reisen, damals mit der Schule und dem Sportverein, zu tun. Seit ich meine französische Freundin kenne, hat sich das etwas gelegt und ich brannte nun darauf, einige in meinem Hirn festgebissene Vorurteile mit einem weiteren Urlaub in Frankreich, in der Bretagne, zu revidieren. Und das gelang mir auch.

Ich meine, dass es einem Touristen nie schaden kann, ein paar Wörter der Sprache der "Einheimischen" zu sprechen. Ich hatte im meiner Schulzeit zwei Jahre Französisch gelernt, aber wieder viel vergessen. In den letzten Wochenenden vor der Reise nahm ich deshalb ein Lehrbuch zur Hand, um meine Kenntnisse wieder etwas aufzufrischen. Mir schien es so, als würden einem die Franzosen mit etwas mehr Herzlichkeit entgegen treten, spräche man ihre Sprache anstatt englisch. Sicherlich mag immer noch einige Arroganz diesbezüglich vorhanden sein, aber nicht in dem Maße, wie man es landläufig hört.

Die Leute:

Der Charaker der Bretonen spiegelt sich, wie so häufig, im Klima und in der Landschaft wieder. Ich empfand sie zwar als kühl, etwas zurückhaltend, aber freundlich und zuvorkommend, den Norddeutschen nicht ganz unähnlich. Sicherlich öffnen sie sich viel stärker, wenn man die richtigen Themen anspricht. Hierzu gehört auch sicherlich das Land selbst und der Stolz ihrer Bewohner, wie man ihn des öfteren an den gehissten bretonischen Flaggen erkennen kann.

Die Landschaft:

Warum Frankreich des Deutschen liebstes Auslandsreiseziel ist, lässt sich gerade auch in der Bretagne vorzüglich darlegen. Geballte Geschichte, ausgeprägte Kultur und eine poetische Landschaft, die man nicht ausschließlich anhand der Küstengebiete beurteilen sollte. Doch ist es natürlich das Meer, das die Touristen anzieht. Genau wie mich, der beim Anblick des Ozeans immer etwas Ursprüngliches und Unwiderstehliches empfindet. Das Meer hat aber nicht nur landschaftlichen Reiz, sondern ist auch Heimat und Zufluchtsort der Tiere, Nährmutter, Lebensquelle und Arbeitsplatz.

Die Kultur:

Kulturgeschichtliche Höhepunkte reichen mit dem Megalithen von Carnac bis in die Steinzeit zurück. Doch ist es das Mittelalter und die frühe Neuzeit, die der Bretagne ihren Stempel aufdrücken. Burgen, Schlösser und Kirchen prägen Dörfer und Städte. Mag diese Vergangenheit so kriegerisch und vielleicht rückständig im Vergleich zu einigen Kulturen der Antike gewesen sein, aber die Relikte, die sie hinterließ, ziehen unwillkürlich die Meisten in ihren Bann. So spaziert man auf Wehrmauern, auf denen noch die Kanonen sitzen, besucht heilige Kathedralen und bummelt durch schmale Gässchen, in deren dunklen Schatten früher sicher einige reiche Adelige durch Meuchelmördern ihr Leben ließen.

Den Kontrast zu mittelalterlichen Stadtzentren bilden die modernen außerhalb liegenden Gewerbegebiete. Diese sind allerdings nicht typisch bretonisch, sondern in ganz Frankreich vorzufinden. Ganz besonders stechen die riesigen Supermärkte hervor, von denen es nur so wimmelt und die häufig besser ausgeschildert sind, als so manche Städte und Sehenswürdigkeiten.

Von den Supermärkten ist es nicht mehr weit zu dem Kulturgut, das viele als das wichtigste Frankreichs ansehen: das Essen und Trinken. Aus gutem Grund genießt die französische Küche einen hervorragenden Ruf. In der Bretagne sind natürlich insbesondere die frischen Meeresfrüchte, Fisch und einige Backwaren, so auch der Crêpe, beheimatet. Auf ca. 100 Einwohner kommt eine Crêperie ;-) Jeder Urlauber sollte zumindest einen Abend dort verbringen.

Radfahren:

Da mein Hobby das Rad fahren ist, habe ich es mir nicht nehmen lassen, einen Teil der Bretagne mit dem Fahrrad zu erkunden. Ist man individuell unterwegs, sollte man vernünftige Karten dabei haben. Michelin-Karten mit einem Maßstab vom mindestens 1:200000 sollten es schon sein, um die kleineren Departementstraßen und Feldwege zu finden. Dann erlebt man aber eine wunderschöne, ursprüngliche Landschaft, die den Radler nur selten richtig in die Pedale treten lassen muss. An der Küste kann einem der kräftige Wind aber schon einmal einen Strich durch die Rechnung machen. Der April ist für eine Radreise allerdings nicht die beste Zeit. Die Sommermonate sind wegen des freundlichen Klimas zu bevorzugen.

Letztlich kann ich zwar nicht behaupten, die Bretagne mit dem Fahrrad erkundet zu haben, doch neige ich dazu, auch wenn ich erst einen kleinen Teil kenne, sie als lohnendes Radreiseziel zu bewerten, und das nicht nur im Hochsommer.