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© by Jens Sieckmann

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2. Tag, 07.04.2002: Saint-Malo, Mont Saint-Michel

Alle Bilder dieses Tages auf einen Blick.

Beschreibung: Auto-Ausflüge nach Saint-Malo und Mont Saint-Michel
Höhepunkte: Saint-Malo, Le Mont Saint-Michel

Wir standen bereits um 6:30 Uhr auf, um Richtung Norden nach Saint-Malo und Mont Saint-Michel aufzubrechen. Stéphanies Eltern ermöglichten uns diesen Ausflug erst, da sie das Auto besaßen. Das Wetter war uns heute deutlich besser gesonnen. Ein bedeckter Himmel ohne Regen, bei dem auch ab und zu einmal die Sonne hervorlugte. Auf dem Hinweg in den Morgenstunden zeigte mir die Bretagne ihr Hinterland mit sanften Hügeln, knorrigen Bäumen und kleinen Flüssen.

In Saint-Malo [1] angekommen, durchstreiften wir zu Fuß die von spätmittelalterlichen Mauern [2] befestigte Innenstadt. Genauer gesagt wanderten wir auf der Stadtmauer [3, 4], von der aus man sowohl den außerhalb liegenden Marinehafen [5] und die Küste, als auch die innenliegende Altstadt [6] bestaunen konnte. Auf den Wehrgängen zeugten die Kanonen von einer kriegerischen Vergangenheit. Saint-Malo war früher beliebtes Piratennest gewesen. Hier oben wehte ein verdammt kräftiger Wind, der einem fast den Atem nahm.

St. Malo Wehrmauer
 
Mont St. Michel

Die Innenstadt war fast ausschließlich Fußgängern vorbehalten. Einige Japaner wuselten hektisch zwischen den Gebäuden umher. Zahlreiche Souvenirläden luden zum Verweilen ein. Da heute der "Printemp du musée" (der Museumsfrühling, ein Tag, an dem fast alle Museen Frankreichs kostenlos besucht werden durften) war, schauten wir uns im Museum von Saint-Malo um, wo allerlei Stücke über die Seefahrt ausgestellt wurden: Navigationsinstrumente, Karten, Galionsfiguren etc. Außerdem konnte man von hier in den höchstgelegenen Teil der Wehrmauer mit Ausblick auf die Küste gelangen.

Um die Mittagszeit fuhren wir weiter nach Osten zur bretonisch-normannischen Grenze, zum Mont Saint-Michel [7, 8], der Touristenattraktion Nordfrankreichs. Kurz vor der Stadt machte ich ein Foto, als mich der Wind fast aus den Socken haute. Nur mit Mühe konnte ich den Fotoapparat ruhig halten.

Der Legende nach begann die Geschichte des Mont Saint-Michel Anfang des achten Jahrhunderts, als Erzengel Michael dem Bischof von Avranches erschien und ihm den Befehl zum Bau einer Abtei gab. Später im zehnten Jahrhundert erweiterten die Bendektiner die Anlage, aber erst nach 800 Jahren war das "Wunder des Abendlandes" vollendet. Heute gehört der Berg zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Le Mont Saint-Michel ist mehr als nur ein Kloster. Vielmehr ist er eine ganze Stadt, eine Enklave, in der die Mönche damals alles zum Leben Notwendige (und mehr) selbst erzeugen konnten. Heute sind in den zierlichen Gassen meist überteuerte Souvenirgeschäfte und Restaurants beheimatet. Das berühmteste ist "La Mère Poulard" [9], bekannt für seine Omeletts, in dem man das Braten live verfolgen konnte. Und das war wahrlich nicht langweilig, denn die Art und Technik der Zubereitung war außergewöhnlich. Zwei Köche erzeugten mit ihren Gerätschaften (Topf und Schneebesen) einen gleichmäßigen Rhythmus. Das Rühren des Teigs und das Schlagen an die Kupfertöpfe schufen Musik, die mindestens so abwechslungsreich ist wie die von Britney Spears.

Neben diesen ausgefallenen kulinarischen und akkustischen Freuden wartete Mont Saint-Michel mit Gärten, Museen und kleinen Geschäften auf. Kapellen und Kirchen waren Mittelpunkt des religiösen Mönchlebens. Viele Gassen [10], Wege, Türme, Befestigungen und andere Anlagen, zum Beispiel für den Transport, bewiesen eine durchdachte Infrastruktur und technisches Know-How. Die Mönche wussten, was sie taten.

Wir erklettern nicht die Turmspitze, sondern umrundeten bei Ebbe einmal den Berg [11]. Es erinnerte mich ein wenig an eine Wattwanderung in der Nordsee, bloß mit mehr Wind.

Wir fuhren die 200 Kilometer zurück nach Auray, bogen aber kurz vor Vannes nach Conleau [12] ab, einem kleinen Naherholungsgebiet, das am Golf von Morbihan lag. Im Sommer ist dieses Gebiet beliebtes Ziel für Wassersportler: Segeln, Rudern, Schwimmen und auch Wasserski waren im Angebot. Auch der nun einsetzende Regen vermochte die Idylle dieses Örtchens nicht zu trüben.


1. Tag: Auray, Quiberon 3. Tag: Auray, Brec'h, Sainte-Anne d'Auray