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© by Jens Sieckmann

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1. Tag, 06.04.2002: Auray, Quiberon

Alle Bilder dieses Tages auf einen Blick.

Beschreibung: Anreise; Auto-Ausflug nach Quiberon
Höhepunkte: Quiberon, Côte Sauvage

Der Wecker zeigte die böse, unmenschliche Zeit 3:30 Uhr an, als er mich mit seiner grausamen Musik vom Bett ins Badezimmer scheuchte. Eine Zeit, die notwendig war, um nach ca. 1000 Kilometern zu angemessener Stunde am Nachmittag das südbretonische Auray zu erreichen. Bis dahin waren es aber noch zwölf Stunden. Also erstmal eine heiße Dusche genommen, ein paar Butterbrote geschmiert und los ging's. Nach 500 Metern zu Fuß merkte ich, dass der Müll, den ich heute morgen zum Runtertragen vorbereitete, liegen gelassen hatte. Ich freute mich schon auf den leckeren Geruch, wenn ich nach zwei Wochen die Wohnung wieder betreten würde.

Der am Ende zum Spurt ausartende Weg zum Bonner Hauptbahnhof erfrischte meine noch müden Sinne, aber ließ mir trotzdem nicht mehr genug Zeit, um ein Ticket für die Fahrt nach Köln zu lösen. Wie schade! Zum Glück war kein Schaffner anwesend.

In Köln am Bahnhof schlug ich noch ein halbe Stunde mit dem Schmökern in Bretagne-Reiseführern tot, bevor der Thalys nach Frankreich losdüste. Die sehr angenehme Fahrt endete kurz vor 11:00 Uhr am Gare du Nord in Paris. Im riesigen Bahnhof nahm ich die Metro zum Gare Montparnasse, von wo der TGV in die Bretagne startete. Der erste Triebwagen trug stolz die Zahl 515, die Geschwindigkeit des Zugs, die er Anfang der 90er Jahre auf einer Teststrecke erreicht hatte. Äußerst bemerkenswert. Bis zu meinem Abteil musste ich dann noch gut 300 Meter laufen, weil die TGVs unglaubliche Längen mit ihren über 20 Wagons erreichen.

Côte Sauvage
 
Korrigans

Die französische Bahngesellschaft SNCF wurde in der Vergangenheit nicht immer positiv in der Presse erwähnt. Man denke nur an die unzähligen Streiks, Aber alles, was die Züge selbst angeht, ist äußerst professionell. Rasend schnell, komfortabel und preisgünstig. Preise, die jeden deutschen Bahnfahrer vor Neid erblassen lassen: Paris - Auray (Bretagne) 26,80 Euro, Auray - Paris - Avignon (Provence) 71,50 Euro für 12-25-jährige, falls man die carte 12-25, eine Art Bahncard für Jugendliche, für ca. 40 Euro besitzt.

Die dreieinhalbstündige ruhige Fahrt endete in Auray, wo meine Freundin Stéphanie mich abholte und zur Wohnung ihrer Eltern geleitete, die mich für die nächste Woche beherbergte. Französische Offenheit empfing mich gleich zu Beginn und schon nach einer halben Stunde stand der erste Ausflug nach Quiberon an, eine kleine Küstenstadt am Zipfel einer Halbinsel an der Südküste der Bretagne. Von hier aus konnten wir schon die beeindruckende bretonische Küste bewundern, an dessen zerklüftetem Ufer sich die Wellen krachend brachen. Den kräftigen Wind nutzten natürlich auch die Windsurfer und Wellenreiter aus, die hier in der Nähe der Festung von Penthièvre [1] ihrem Hobby frönten. Sie ließen sich auch nicht durch den aufkommenden Regen ihren Spaß verleiden. Und ich mir auch nicht, denn dieses Wetter trug seinen Teil zum kühlen Charme dieses Landstrichs bei. Im Gegenteil, der Regen und der Wind brachten mich zum Lächeln, weil ich unweigerlich an das Klischee der verregneten Bretagne denken musste.

Ein paar Kilometer weiter Richtung Süden erstreckte sich die Côte Sauvage [2], die wilde Küste, benannt nach dem rauhen Charakter ihrer Brandung. Steiniges Ufer, Sandstrand und vier Meter hohe Wellen schufen eine Szene, die berühmt für diese Gegend ist. Quiberon selbst war heute ziemlich verlassen, doch zeugten eine halb aufgeblasene Hüpfburg und ein paar Karussells von einem schon zu dieser Jahreszeit regen Besucherstroms. Im Sommer wird das Städtchen zwischen Meeres- und Touristenwellen regelrecht zerquetscht.

Auf der Rückfahrt hielten wir bei einem ganz besonderen Kleinod an, einer Herberge, deren Garten von 30 bis 50 lustigen Holzfiguren [3], teilweise aus einzelnen Holzteilen zusammengesetzt, teilweise geschnitzt, bewohnt wird. Vom Wildschwein, über einen Gitarrenspieler und Primadonna bis zum Dinosaurier war wirklich alles vorhanden.

Der Tag ging langsam zu Ende und auch die folgende Nacht sollte nicht von langer Dauer sein, denn da wir morgen nach Mont Saint-Michel, dem weltberühmten Benediktinerkloster an der Grenze der Bretagne zur Normandie aufbrechen wollten, mussten wir früh aufstehen.


Übersicht 2. Tag: Saint-Malo, Mont Saint-Michel