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© by Jens Sieckmann |
UNESCO-Weltkulturerbe: Schätze der Erde und der MenschheitAuch wenn die Überschrift vielleicht einen tief greifenden Diskurs über das Thema Kultur und Natur suggeriert, handelt es sich hierbei um nichts anderes als um meine persönlichen Eindrücke und Ansichten über ein Gebiet, über das man immer öfter in den Medien stolpert: die Stätten des UNESCO-Weltkultur- und -naturerbes auf allen Kontinenten der Erde. Wahrscheinlich gibt es kaum jemanden mehr, dem dieser Begriff nichts sagt. Reportagen, Artikel und Bücher finden sich zuhauf.
Die UNESCO [1], eine Behörde der Vereinten Nationen mit Sitz in Paris, hat sich zum Ziel gesetzt, "durch Förderung der Zusammenarbeit zwischen den Völkern in Bildung, Wissenschaft und Kultur zur Wahrung des Friedens und der Sicherheit beizutragen, um in der ganzen Welt die Achtung vor Recht und Gerechtigkeit, vor den Menschenrechten und Grundfreiheiten zu stärken, die den Völkern der Welt ohne Unterschied der Rasse, des Geschlechts, der Sprache oder Religion durch die Charta der Vereinten Nationen bestätigt worden sind" (Artikel I der UNESCO-Verfassung). Neben vielen anderen Betätigungsfeldern ist das Arbeitsgebiet "Weltkulturerbe" eines der bekanntesten. Ein zwischenstaatliches Komitee prüft jährlich Anträge der Mietgliedstaaten des "Internationalen Übereinkommens zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt" zur Aufnahme von Stätten in die Liste des Weltkulturerbes. Unterschieden wird dabei grundsätzlich zwischen Kulturgütern (Bauwerke, Landnutzung etc.) und Naturgütern (landschaftliche Schönheit, außergewöhnliches Beispiel ökologischer oder biologischer Prozesse etc.), die verschiedenen Kriterien wie Einzigartigkeit und Authentizität genügen müssen. Der Großteil der Verantwortung zur Erhaltung der Stätten obliegt dem Staat, in dessen Gebiet sich das jeweilige Objekt befindet. Diese Verantwortung muss bei Antragstellung durch einen schlüssigen Erhaltungsplan untermauert werden. Werden Maßnahmen welcher Art auch immer getroffen, die das Kulturgut gefährden (z.B. eine Autobahn durch Abu Simbel ;-)), kann es seinen Status verlieren. So stand der Kölner Dom erst kürzlich unter diesem Verdacht, weil auf der gegenüber liegenden Rheinseite ein Hochhaus geplant war, das die Sicht auf den Dom behindert hätte. Zweifellos ist das Weltkulturerbe grundsätzlich eine gute Sache, weil es unsere Kultur und unseren Lebensraum in besonderer Außerordentlichkeit repräsentiert, doch ertappe ich mich manchmal selbst dabei, mit welch seltsamen "Nebenwirkungen" dies verbunden ist. So fiel mir bei der Planung meiner Radtour durch Tschechien, Südpolen, Slowakei und Ungarn auf, wie ich immer öfter auf die dort befindlichen Kulturstätten schielte. Sie waren einfach "überall anwesend". In den Prospekten der Fremdenverkehrsämter wurde damit, teilweise ausschließlich, in überschwänglichen Formulierungen, die leider kaum Platz für wirklich nützliche Tipps ließen, geworben. Auf den Karten waren sie mit fetten Symbolen markiert. Zu sammelnde Punkte für den Pacman-Tourist? Nein, dafür sind es noch zu wenige, doch jedes Jahr kommen neue hinzu, allein 24 dieses Jahr, womit die Summe mittlerweile (Stand 2003) bei stattlichen 754 in 129 Ländern liegt. Kritische Stimmen könnten bemerken, dass die inflationäre Ernennung neuer Kulturgüter diese ihrer eigenen Einzigartigkeit wieder beraubt. Die Einzigartigkeit, die sie ursprünglich auszeichnen sollte. Ich möchte nicht auf einzelne Stätten eingehen, auch wenn ich manche Ernennungen für fragwürdig halte. Doch ist möglicherweise die allgemeine Abwicklung noch verbesserungswürdig. Vielleicht könnte man weitere Organisationen in den Aufnahmeprozess integrieren. Die Verteilung der Schätze ist bekanntermaßen ungleich. Afrika liegt beispielsweise im Vergleich mit Europa weit zurück. Wie schon erwähnt, sehen Verkehrsämter und Reiseveranstalter oder gleich ganze Regionen oder gar Staaten immer mehr das Welterbe als touristischen Plus-, wenn nicht gar als Höhepunkt an. Das ist an sich keine schlechte Sache, doch sollte es nicht so weit kommen, es als Instrument für ausschließlich ökonomische Zwecke zu missbrauchen. Der Schutz dieser Stätten muss immer im Vordergrund stehen, auch wenn das bedeutet, Menschen von der Besichtigung selbiger fernzuhalten. Hier müssten noch Mittel gefunden werden, mehr Druck auf die Verantwortlichen auszuüben und strengere Richtlinien zur Erhaltung aufzustellen. Die UNESCO ermahnte bereits die peruanische Regierung, den "Verkehr" in der Inkastadt Machu Picchu einzuschränken, die jährlich von mehr als 100.000 Touristen besucht wird. Nichts passierte. Im Gegenteil: es ist sogar eine Seilbahn geplant, die die Besucherzahlen noch ansteigen lassen soll [2]. Ein sehr interessantes Interview mit Dr. Bernd Freiherr von Droste, Senior Director General der UNESCO, geht auf weitere Gefahren ein [3]. Diese könnten unterschiedlicher nicht sein, und lassen sich kaum vermeiden. Sei es die weltweite Klimaveränderung oder die mutwillige, systematische Zerstörung durch extreme Gruppierungen wie den Taliban (Buddhastatuen in Afganisthan). Inwieweit der Status eines Ortes oder Objekts als Weltkulturerbe dessen Touristenzustrom beeinflusst, ist mir nicht bekannt. Jedenfalls ist letzter sicher nicht förderlich. Bedenken sollte man, dass auch anders geschützt werden kann als den Weg über die UNESCO zu gehen. Denkmalschutz und Ausrufung zum Naturschutzgebiet oder Nationalpark seien hier als Beispiele genannt. Die Frage, ob diese Initiativen mehr leisten können, würde ich aber eher verneinen. Manchmal liegt der Schutz einer Sache in der Unkenntnis der Menschen über selbige, vorausgesetzt sie ist nicht allzu auffällig. Jens Sieckmann, Oktober 2003 Quellen:[1]: Webseite UNESCO: http://www.unesco.de [2]: Lucas Kintto, 2002; Peru: Inka-Stadt Machu Picchu kurz vor dem Kollaps [3]: Interview mit Dr. Bernd Freiherr von Droste zu Hülshoff, Brandenburgische Technische Universität |
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