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© by Jens Sieckmann |
12.09.2003, Remagen - AndernachAlle Bilder dieses Tages auf einen Blick.
Ein vollkommen bedeckter Himmel stimmte mich nicht gerade fröhlich auf den heutigen Tag ein, aber dennoch war ich guten Mutes, heute die Tour durchs Ahr- und Brohltal anzugehen. Die Zugfahrt bis Remagen gestaltete sich absolut problemlos uns so fuhr ich nur einen Kilometer am Rhein entlang bis ich den ersten kulturellen Höhepunkt der Tour erreichte: die Brücke von Remagen [1], dessen Pfeilerpaar am Ufer den Fluss überblickte und mit der deutschen und amerikanischen Flagge auf den Spitzen gekrönt war. In flottem Tempo pedalte ich nun den Rhein-Radweg entlang bis mich ein Mann ansprach, ob ich ein Gruppe Fahrradfahrer mit Gepäck gesehen hätte. Ich verneinte das, woraufhin er umdrehte und ein Stück mit mir gemeinsam bis Kripp an der Ahrmündung weiterfuhr. Er begleitete eine Gruppe aus dem Westerwald, mit der er sich hier wieder treffen wollte, aber die sich wohl schon rechtzeitig in einem Café "verschanzt" hatte. So drehte ich ab Kripp wieder allein die Kurbel gen Westen, den Ahrtal-Schildern folgend. Durch das Naturschutzgebiet der Ahrmündung, durch saftige Wiesen und vereinzelten Obstbäumen verlief der Weg mal auf Asphalt mal auf Schotter durch Sinzig immer entlang der Ahr [2]. Der Fischreiher, der stolz auf einem Stein im Fluss stand, bemerkte mich dann leider doch noch, so dass ich leider kein Foto schießen konnte.
Es wurde immer schöner und idyllischer je weiter ich fuhr [3]. Ich hatte keine großen Erwartungen an die Strecke gesetzt und mich lediglich mit einer Karte vorbereitet ohne aber die einzelnen Abschnitte exakt zu planen. So konnte ich auch kaum enttäuscht werden. Unter der mächtigen über 1500 Meter langen Ahrtal-Brücke hindurch erreichte ich Bad Neuenahr. Im schönen Park [4], dessen Wiesen zu den Ufern der Ahr schon mit buntem Herbstlaub bedeckt war, überspannten hübsch verzierte Brücken den Fluss [5]. Ein Ort der Stille und Erholung, was an diesem Ort ja auch gerade der Sinn und Zweck war, denn Bad Neuenahr ist Kurort mit zahlreichen Heilbädern, Kurhotels und den bekannten Ahr-Termen. So lag hier, nach meinem subjektiven Urteil, der Alterdurchschnitt auch bei über siebzig. Nur ca. vier Kilometer weiter erwarete mich das schönste Städtchen der Tour, oder genauer gesagt der schönste Stadtteil, denn Ahrweiler ist Teil der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler. Die Stadttore [6], die Pfeiler der teilweise erhaltenen mittelalterlichen Stadtmauer, markierten die Eingänge zum historischen Stadtkern [7]. An den Fassaden der hervorragend restaurierten Fachwerkhäuser hingen große Fahnen und reger Menschenandrang ließ auf etwas Besonderes hindeuten. Der Markt war bereits im Gange, doch Höhepunkt des Wochenendes sollte das Weinfest werden, das jedoch erst am Abend begann. Ich spazierte gemütlich über den kleinen Marktplatz durch das Zentrum, an dem ich mich gar nicht satt sehen konnte. Überall niedliche kleine Geschäfte und schöne Hotels, aber auch ganz liebevoll gestaltete Wohnhäuser waren ein wahrer Augenschmaus [8]. So trennte ich mich nur relativ ungern von Ahrweiler, doch ich wollte am heutigen Tag noch etwas weiter kommen. Die Weinberge und -felder hatten längst die Umgebung beherrscht und nicht selten verlief der Radweg direkt durch sie hindurch. Die Rebstöcke waren reich mit den dunklen Trauben behangen. Das Tal verengte sich allmählich und ließ nur wenig Platz für Straße, Radweg und Bahntrasse, die dafür umso beeindruckender waren, weil an den Seiten direkt die steilen Felswände in die Höhe stießen. Am Krausberg [9] vorbei verpasste ich den Radweg und hatte schon den Bergpfad nach Dernau unter den Rädern, der sich dann aber als viel zu steil und gefährlich entpuppte. Zurück auf der Strecke fuhr ich entlang der kleinen Ahrwindungen [10] über Rech und Mayschoss nach Altenahr. Der Radweg wahr zwar hier für einige Kilometer identisch mit der Bundesstraße, doch die schöne Landschaft glich diesen Mangel wieder aus. Auch Altenahr konnte mit einer schönen Innenstadt aufwarteten, war aber meiner Meinung nach nicht so attraktiv wie Ahrweiler. Dennoch beschloss ich, hier meine meine wohlverdiente Mittagspause zu verbringen. Nach Ahrbrück ließ die Ahr wieder zwei- bis dreihundert Meter Platz neben sich, bis die nun nicht mehr ganz so steilen Felsen aufragten. Vom Wein war mittlerweile auch fast nichts mehr zu sehen, doch das Tat der Umgebung keinen Abbruch. Dunkelgrüne Hänge, sanfte Wiesen und in der Mitte die hier noch ca. fünf bis acht Meter breite, ruhige und flache Ahr. Bei Dümpelfeld fasste ich den Entschluss, ohne Übernachtung auszukommen und den Weg noch an diesem Tag wieder zurück bis Bad Breisig oder Andernach zu nehmen. Diese Entscheidung war falsch, wie ich nachher noch berichten werde. Hier in Dümpelfeld nun verließ ich die Ahr und radelte entlang des Adenauer Baches durchs Tal. Es begleitete mich ein älterer Herr und begeisterter Radfahrer, mit dem ich mich bis Adenau ausgiebig über das Radreisen unterhielt. Er hatte schon so einige Touren in der Vergangenheit unternommen. U.a. den Nordostseekanal, Dortmund-Ems-Kanal, Lahntal, Mosel, Tauernradweg und vieles mehr. In Adenau wünschten wir uns noch eine gute Weiterfahrt und jeder fuhr seines Weges. Ich nahm von nun an einen Weg, der mich meine ganze Kraft kosten sollte, Ich fuhr Richtung Osten zur Hohen Acht, dem höchsten Berg der Eifel mit knapp 750 Metern. Statt der Landstraße nahm ich den parellelen Feldweg, der von Kilometer zu Kilometer schlechter und steiler wurde. Meine Knie begannen zu schmerzen, der Weg wurde schlammig, steinig und schließlich nicht mehr zu befahren [11]. Nach einiger Schieberei erreichte ich dann schließlich wieder die Hauptstraße und konnte es mir nicht nehmen lassen, auch noch die Einfahrt zum Aussichtspunkte zu nehmen. Ich befuhr eine kleine Runde im Naturschutzgebiet der Hohen Acht und verirrte mich bald, obwohl ich doch nur zum Aussichtspunkt wollte. Nachher entdeckte ich den Fehler, den ich gemacht hatte, auf der Karte, doch die Motivation, dann doch noch zum Aussichtspunkt hochzulaufen, war dahin. Die nun folgende Strecke, die ich wider besseren Wissens und der Beschilderung nahm, führte mich hauptsächlich auf Bundes- und Landstraßen. Nach dem Kraft raubenden Anstieg konnte ich zwar ein wenig die schöne Aussicht hier in der Eifel genießen [12], doch das ewige Auf und Ab ließ meine Beine schnell ermüden. Zudem hatte ich generell ein zu schnelles Tempo eingeschlagen, das mich neben der Unterversorgung an Wasser etwas leiden ließ. Aber was sollte ich mich beschweren, ich hatte es mir ja selbst eingebrockt. Über Weibern [13] und Wehr schließlich gelangte ich zu einem Höhepunkt des Tages, zum Kloster Maria Laach [14, 15, 16]. Die schöne Benediktinerabtei und die romanische Basilika (der älteste Teil stammte aus dem 11. Jahrhundert) am Laacher See waren nach der anstrengenden Radfahrt eine regelrechte geistige Erholung. Nun wollte ich aber einfach nur noch nach Hause. Es war schon fast 18:30 Uhr. Die landschaftliche Schönheit des Laacher Sees und Naturschutzgebiets nahm ich nun gar nicht mehr wahr, und die Straße wollte mir noch unbedingt ein paar Steine in den Weg legen, indem sie sich bis Nickenich über einen langgestreckten Berg zog, der noch ein letztes Mal meine Kondition forderte [17]. Erschöpft erreichte ich um 9:15 Uhr den Bahnhof von Andernach. Glücklicherweise musste ich auf den Zug und im Anschluss in Köln-Deutz nicht lange warten, und so war ich dann um ca. 21:20 Uhr zu Hause. |
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